• Studentenleben Osnabrück
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Weihnachtsmarkt

Es könnte also alles so schön sein! Wenn ich nicht Weihnachten fix und fertig und reizüberflutet neben dem Tannenbaum sitzen würde. Ich arbeite auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt und das hinterlässt seine Spuren.

Alles beginnt beim Aufbau. Eine Woche vor Beginn des Weihnachtsmarktes reihen sich in den engen Gassen der Altstadt die fetten SUV's der Hüttenbesitzer und hupen und schimpfen sich gegenseitig aus dem Weg. Nebenbei rollt die "Stadt" mit einem LKW durch die Bierstraße und hängt Weihnachtsbeleuchtung auf. Dieses Jahr sind dies abgefahrene weiße Space-Kitsch Bäumchen, die, meiner Meinung nach, besser in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" passen würden, als in die gutbürgerliche Osnabrücker Altstadt. Ein absolutes Highlight ist das Schaulaufen der Osnabrücker Feuerwehr, die in Gesamt- Formation mit ihrem schönsten Feuerwehr-Auto testet, ob sie zwischen den Buden Platz hat um brennende Buden und Budenbesitzer zu retten! Letztes Jahr gab es ein komplettes Drama als sie feststellen mussten, dass sie ausgerechnet an unserer Bude bei geöffneten Schotten nicht vorbeikommen. Ich musste mit fünf ausgewachsenen Feuerwehrmännern streiten. Jedenfalls haben sie den Tischler bezahlt, der unsere Schotten dann umgebaut hat.

Der Verkauf:
Nach einer Woche fängt mir langsam die Weihnachtsmusik vom Kinderkarusell auf die Nerven zu gehen und ich erwische mich dabei wie ich Jingle Bells summe, morgens, mittags, abends. Das hört sich nach langweiliger Arbeit an, ist es aber nicht! Wenn es dolle regnet, gibt es öfter mal einen Kurzschluss in den Buden und ich sprinte zu geheimen Orten um die Sicherungen wieder zu lösen (Ich könnte natürlich auch dem gesamten Weihnachtsmarkt  den Strom abschalten). Letztes Jahr waren die Buden sogar einen ganzen Tag wegen einer Sturmwarnung geschlossen. Ich stand im Regen auf der Leiter und habe mit Hammer und Nagel versucht unsere Dachfolie zu befestigen und Platten vor die Fenster zu bohren. Das war der Tag an dem die Innenministerkonferenz im Osnabrücker Rathaus stattfand und ich dort in meiner Regenkleidung schnurstracks an den Polizisten vorbeigegangen bin, weil ich so dringend mal für kleine Mädchen musste und da sonst auch immer auf Klo gehe. Ich habe es erst am nächsten Tag begriffen, wo ich da gelandet war - weil ich am nächsten Tag da nochmal auf Klo gehen wollte und von der Polizeiwache aufgehalten wurde.

Mit wichtigen Menschen kenne ich mich aber aus, schließlich läuft unser Bürgermeister fast jeden Tag vor der Hütte lang um im Hotel Walhalla essen zu gehen (das ist zumindest das, was ich denke, was er da tut). Auch mit den anderen (Ver-)käufern lässt es sich gut plauschen: Der Student, der nebenbei heimlich mindestens so viele Pralinen ißt, wie er auch verkauft. Die Verkäuferin, die ihren täglichen Joint in der Bude raucht, unsere Stammkunden, die jeden Tag an den Stand kommen und nie was kaufen, aber immer reden wollen und besoffene Damen und Herren, die über unsere Stimmungsringe ausrasten. Ich zitiere: „Wenn der rot ist Helga, dann weiß ich ja jetzt immer, wann ich dir an die Wäsche kann ha ha ha". O Maria, komm mir zu Hilfe!

Abbau:
Ich bin schon ziemlich zittrig, vor Kälte, von zu viel Glühwein und zu viel Weihnachtsgedudel. 
Meine Chefin zersägt um 1 Uhr nachts noch einen Balken mit der Kreissäge und die vom Hotel Walhalla kommen um sich zu beschweren, aber wir müssen ja schließlich abbauen, was sollen wir machen? Wenn alles vorbei ist, dann bin ich mir sicher, dass ein Jahr die perfekte Zeitspanne ist um sich von diesem Abenteuer zu erholen und um sich wieder darauf zu freuen, auf 2015!

Bild: Weihnachtsmarkt Osnabrück [Facebook]