• Studentenleben Osnabrück
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Studentenreiter

Wer als Außenstehender dazu gehören will, gewöhnt sich zunächst einmal daran, den eingebetteten Ausruf „moin“ anstatt „hallo“ zu benutzen (auch abends um 8). Man sollte keine Abneigung gegen Pferde hegen, denn der Titel „pferdefreundliche Gemeinde“ ist allgegenwärtig. So ist der typische Stadttreffpunkt, vergleichbar mit unserem H&M, ein etwa zwei Meter hohes eisernes Pferd, in der Uni kann man sich der Gruppe „Studentenreiter Vechta“ anschließen oder man trifft sich in der Kneipe „Zum alten Pferdestall“.

Kürzere Wege

Die Stadt selbst wirbt auf ihrer Homepage mit dem Slogan „kurze Wege für kurze Beine“, der gut die dort bestehende Infrastruktur wie auch die Universitätslage beschreibt. Um einen kleinen Überblick zu verschaffen ein Vergleich:  Die Studierendenanzahl in Vechta beträgt 4031, in Osnabrück liegt sie dagegen bei 11.790 (nur die Uni). Die Gebäude, ausgenommen von einem Außenbereich, liegen alle beisammen und das Gelände ist sehr überschaubar. So ist es nicht verwunderlich, dass einem nach dem 1. Semester schon gefühlt die Hälfte der Gesichter bekannt vorkommt. Doch gerade diese familiäre Atmosphäre schafft ein ganz anderes Miteinander.

Die Pendelei

Als ich mich dazu entschied, an der Universität Vechta Germanistik und Kunstpädagogik zu studieren, hatte ich über die Freude hinweg, endlich meinen Wunschstudiengängen  nachgehen zu können, eines verdrängt: das Pendeln, oder auch: endlose Zugfahrten, verbunden mit den abstrusesten Komplikationen und zuverlässiger Unzuverlässigkeit – die sie stets „bitten zu entschuldigen“. Die, laut google maps, 63,4km Entfernung sollten sich noch als echte Herausforderung für das Gemüt darstellen. Anfangs noch angenommen, diese Stunde Fahrt würde sich super zum Erledigen, Aufarbeiten oder Nacharbeiten von Aufgaben eignen, wurde mir schnell klar, dass die Realität anders aussieht. Doch das ist eine Konsequenz, mit der man als Pendler zurechtkommen muss, und das ein oder andere Mal schafft man dann sogar tatsächlich etwas. Außerdem, und da kann ich aus Erfahrung sprechen, bietet sich so die Möglichkeit neue Kontakte zu schließen und noch andere nette Mitpendler kennen zu lernen.

Auf dem zwanzigminütigen Fußweg vom Bahnhof zur Uni folgt dann eine weitere Charakteristik der Stadt: Man kommt nicht nur an einer, auch nicht an zwei, sondern an gleich drei Justizvollzugsanstalten vorbei (jeweils eine für Frauen, Männer und Jugendliche). Dies führt tief in die Historie Vechtas zurück, die sich seit dem 17. Jahrhundert zu einer der größten Justizvollzugsstandorte entwickelt hat. Dadurch sollte man sich aber keinesfalls einschüchtern lassen, denn die Grundhaltung der Bewohner ist sehr interessiert gestimmt. Es werden zum Beispiel öfter Kunstausstellungen dort präsentiert oder auch Kunstkurse für die Insassen angeboten. Außerdem lassen die hochgezogenen roten Mauern mit Stacheldraht-Topping die Uni Gebäude dagegen auch an schlechten Tagen einladend aussehen.

 Am Campus

Prägend auf dem Campus ist auf jeden Fall das familiäre Verhältnis. Im Kunstkurs sind wir gerade einmal 15 Leute. Wir haben nur ein Atelier. Für unseren „Grundkurs Plastik“ wurden wir sogar noch einmal gesplittet. Das ermöglicht den Dozenten eine viel intensivere Beschäftigung mit den einzelnen Studenten, was gerade in Kunst sehr von Vorteil ist. Dafür herrscht aber in vielen Kursen, im Gegensatz zu anderen Unis, Anwesenheitspflicht und aktive Teilnahme.

Das Angebot der Abschlüsse an der Universität Vechta umfasst vier Arten der Bachelorabschlüsse: Drei im Bereich der sozialen Dienstleistungen (Dienstleistungsmanagement, Gerontologie und Soziale Arbeit) und den Zwei-Fach-Bachelor sowie fünf aufbauende Masterabschlüsse. Der Großteil der Studierenden entscheidet sich für eine Lehramtsausbildung, weshalb dort auch der Fokus liegt. Überdies besteht eine nähere Zusammenarbeit mit der Uni Osnabrück. Das Essen in der Mensa ist das gleiche und mit seinem Studentenausweis kann man an beiden Orten essen gehen. Ebenfalls wird vom Studentenwerk Osnabrück ein Studentenwohnheim in der Universitätsstraße in Vechta angeboten.

Ein Highlight der Uni, das auf jeden Fall genannt werden muss, ist die integrierte „Rock & Roll Caféte“. Sie wird von Studierenden für Studierende betrieben und das wohlfühlende Ambiente, unterlegt mit guter Indie-Rock Musik, verschafft in den Pausen einen Ort mit der Möglichkeit zum Abschalten und regenerieren. Außerdem  kann sich dort jeder Studentengeldbeutel, auch Ende des Monats, noch einen leckeren Happen leisten.

 

Wappen Vechta (Wikimedia), Pferd Warwick Vechta (Stefan Mayer 2011)