• Studentenleben Osnabrück
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Bis zur Bushaltestelle am Heger Tor standen sie an für den ersten* Osnabrücker Science Slam in der Lagerhalle. Leider hatte es keinen Vorverkauf gegeben, sodass viele vor den ausverkauften Türen des großen Saals kehrt machen mussten. Doch für die glückliche Mehrheit, die früh genug angestanden hatte, sollte es ein schönes Science-Debüt werden.

Nicht nur für die zahlreichen Zuschauer war das der erste Science Slam, auch einige der Slammer probieren sich zum ersten Mal vor großem Publikum. Die Regeln sind ganz ähnlich wie beim Poetry Slam, bloß, dass es ganze 10 Minuten Zeit für jeden Nachwuchswissenschaftler gibt, und dass alle Hilfsmittel erlaubt sind. Zwar wird an Hilfsmitteln leider nur ein Beamer für Power-Point-Präsentationen verwendet, doch ist das sicher auch den Themen geschuldet: Keine explodierenden Farbbeutel und wilde Experimente, dafür teils geniale Vorträge mit viel Witz und Polit-Kritik.

Als ersten Slammer riefen die versierten Moderatoren Andy Weber und Tobias Glufke den Osnabrücker Rolf Wintgens mit seinem Vortrag über Geologie, "wie ihr sie noch nie erlebt habt, die Performativität von Immobilienmärkten" auf die Bühne. Über sein Studium erklärt er: "Ich mach nicht Wetter und ich stell' mich auch nicht einfach vor eine Karte und weiß danach, was drauf ist". Leider wurde ihm die zeitliche Begrenzung von 10 Minuten zum Hindernis.

Irgendwie Kardiologe und Rettungssani aus Marbug erklärt uns Johannes anhand von Benedikt XVI. die Gefahren der Arteriosklerose. "Der unchristliche Weg zu (fast) ewigem Leben" bestehe demnach entweder aus einer breiten Palette an Medikamenten oder noch besser: Sex. In schnellem Tempo referiert Johannes die komplexen medizinischen Sachverhalte und Hintergründe seiner Forschung, doch dank der guten Folien kommt jeder mit. Seine Hymne auf den regelmäßigen Beischlaf allein aus medizinischen Gründen belegt er schließlich mit dem Vergleich Silvio Berlusconis mit Rainer Brüderle: "Sie selbst entscheiden, wie Sie am Ende aussehen".

Die Geophysikerin Kirsten aus Kiel stellt ihre Master Arbeit unter dem Titel "Hot Water on the Rocks" vor. Anhand der Sesamstraße bekommen die Osnabrücker erklärt, was ein Gamma Spectrometer ist. Die vielen Graphiken und Zahlen erscheinen einem Laien eher komplex, doch mit Kermit dem Frosch und Ernie in der Folie funktioniert das irgendwie.

Reinhard Remford aus Essen (Deutscher Science Slam Meister 2013) gelangt mit seinem Vortrag über "Dienliche Defekte. Epitaxie hochreiner Diamantenschichten ..." über einen Crashkurs in Quantentheorie bishin zu Schrödingers Katze und die Einsicht, dass es Überlagerungen gibt. Als Physiker habe man zwar keinen Sex, doch sei dies ein Studium, in dem man sowohl betrunken als auch bekifft sein könne. Liebevoll mit Memes und witzigen Illustrationen ausgestaltet merkt man dem Slammer seine Bühnenerfahrung deutlich an.

Den Abschluss gestaltete die Umweltsystemforscherin Kathrin aus Osnabrück. Heftige Dürren oder Überschwemmungs-Katastrophen durch den Klimawandel regen zwar nicht zum Lachen an, wohl aber zum Nachdenken: "Mir steht das Wasser bis zum Hals ... und manchmal sitze ich auf dem Trockenen". Die Präsentation spart mit Witz, bietet dafür allerdings einen wichtigen Einblick in Fakten rund um den Klimawandel und Klimaschutz.

Publikums-Sieger wurde schließlich Johannes, der sich nun auf ein Jahrsabonnement von GEO, dem Partner des Science Slams, freuen darf.

 

* Zwar wurde der Slam als "Erster Osnabrücker Science Slam" beworben, doch gab es in Osnabrück bereits zahlreiche Slams dieser Art. Immerhin war es der erste in dieser Größenordnung.