• Studentenleben Osnabrück
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Wir wissen, es ist bei dem Wetter wohl fast utopisch, euch in eine Kunstaustellung locken zu können. Dennoch solltet ihr, liebe Sonnenkinder, euch überlegen, ob ihr nicht eine Stunde euer kostbaren Zeit dafür opfern könnt, denn es lohnt sich und es ist anders!

EMAF SmileDie Rede ist von der Ausstellung im Rahmen des EMAF-Festivals zum Thema „Surveillance und Big Data“, die nur noch eine Woche in der Kunsthalle gezeigt wird. Zu sehen sind sehr unterschiedliche Installationen, eigentlich die ganze Bandbreite der Medienkunst in Auseinandersetzung mit der grenzenüberschreitenden digitalen Überwachung. Ihr könnt euch also sicher sein: Die Ausstellung ist alles, nur nicht so wie die 100 Museen, in die ihr unfreiwilligerweise auf sämtlichen Klassenfahrten geschleppt worden seid und die euch die Lust an Kunst genommen haben.

Da wäre zum Beispiel der „Situation Room“ von Franz Reimer, eine Nachbildung der Raumsituation auf dem Pressebild, das am 1. Mai 2011 im Situation Room des weißen Hauses während der Tötungsaktion von Osama Bin Laden fotografiert wurde. Nimmt man als Besucher auf den Stühlen Platz, so sieht man sich selber auf dem Bildschirm wo die Tötungsaktion zu sehen war. Ich kann nur sagen, man fühlt sich unwohl und das ist auch so gewollt, schließlich thematisiert diese Szene Zeugen- und zum Mittäterschaft derartiger Operationen.

Ganz anders, die „shy camera“, eine interaktive Installation von Gregor Kuschmirz. In der Raummitte hängt die schüchterne Kamera, die sich immer, wenn jemand in die Nähe kommt, abwendet. So ein Mist aber auch, die Kamera verweigert sich der eigenen Lust auf Bildschirmpräsenz und Selbstdarstellung. Falls man anfängt, wie ein Kind um sie rumzuhopsen (so wie wir das getan haben) und schafft man es, sie zu verwirren, wird das Videosignal auf dem Monitor in der Nähe unterbrochen und der Bildschirm schwarz. Black-Out! Sie will einfach nicht.

In der Stadtgalerie kann man zurzeit noch eine Strickmaschine von Nora Peters begutachten, die das „Sehen und Gesehen werden“ sehr anschaulich macht. Während des Festivals wurde ein Iris-Scan, DER Fingerabdruck des digitalen Zeitalters, bei Besuchern durchgeführt und die Iris anschließend durch das gute alte Stück abgestrickt. So enstand ein langer Teppich aus den gestrickten Augen der Besucher.

Gut gefallen haben uns auch die folgenden zwei Videoinstallationen: In „5000 feet ist the best“ von Omer Fast berichtet ein Drohnenpilot von seinen Erfahrungen. Das erinnert zumindest im Ton an eine sehr aufschlussreiche Dokumentation, die Bilder dazu sind aber leicht verstörend und irgendwie poetisch. Und als Kontrast dazu, das Video „How not to be seen: A fucking didactic educational .mov file“ von Hito Steyerl mit humorvollen Vorschlägen wie man die digitale Überwachung überlistet. Ihr könntet zum Beispiel versuchen, zu einem Pixel zu werden, denn dann kann man euch nicht näher heranzoomen. Voilà, die Lösung all unser Probleme!

Was es mit diesem Foto oben (Videoinstallation namens „Smile“), einem Mann, der sein Gesicht in Wachs taucht und der Visualisierung von Twitternachrichten nach nach dem Attentat auf den Boston Marathon auf sich hat, findet es raus!

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, den 25. Mai 2014. Eintritt für Studenten 3 Euro.