• Studentenleben Osnabrück
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Im Ostfriesland gilt Boßeln als der Volkssport Nr. 1. Keiner anderen Sportart wird so viel Sympathie zugetragen. Vom einfachen Straßenboßeln bis zur Europameisterschaft ist alles vertreten.

Diese ostfriesische Tradition hat sich auch bis ins Osnabrücker Land durchgesetzt und man kann ganzjährig Strecken und Experten zum Boßeln buchen. Scheint der Ablauf auch ziemlich simpel (zwei Mannschaften, die in einem Wettkampf gegeneinander eine Kugel werfen und zwar möglichst weit), ist der Spaß mit einer Begleitung von gefüllten Bollerwagen garantiert.

Denjenigen, denen Boßeln zunächst kein Begriff ist, sollte nicht der Fehler unterlaufen, es mit dem amerikanischen Bowlen zu verwechseln. Beide Sportarten setzen zwar eine rollende Kugel sowie zwei Teams voraus, jedoch findet Boßeln traditionsgemäß im Freien, auf Landstraßen, Wiesen oder Feldern statt und es müssen keine Kegel umgestoßen werden.

Die konventionellen Regeln setzen zwei Mannschaften aus jeweils vier Gruppen bestehend aus vier Werfern voraus. Sofern man gerade an keiner Meisterschaft teilnimmt, ist es auch legitim, die Spieleranzahl nach Lust und Laune zusammenzusetzen. Regionale Unterschiede sind ohnehin vorhanden. In einigen Gebieten wird Boßeln mit dem Klootschießen gleichgesetzt, obwohl sie sich in diversen Bereichen unterscheiden (Klootschießen ist schon viele Jahrhunderte alt, erfordert eine relativ komplizierte Wurfart, wird nur auf dem Feld und voraussichtlich bei Frostwetter durchgeführt).

Auch die Wahl der Wurfgeräte variiert. Jede Gruppe einer Mannschaft kann entweder eine Pockholzkugel oder eine Gummikugel benutzen. Wenn man schließlich alle Spieler, die Strecke und entsprechendes Wurfmittel zusammen hat, kann begonnen werden. Wer den Kampfgeist noch ein wenig verstärken möchte, der kann seiner Mannschaft einen herausfordernden Namen zuteilen. In Spielerläuterungen werden oftmals einfache Farbgebung wie „rot“ oder „schwarz“ verwendet, einem wahren Sportsgeist sind aber keine Grenzen gesetzt.

Der Wurf wird mit senkrecht am Körper angelegtem Arm vollzogen. Der Werfer nimmt möglichst viel Anlauf, um eine hohe Wurfweite zu erzielen, und stößt die Kugel von unten hoch. Es ist darauf zu achten, dass man eine gerade Haltung sowie einen geraden Arm behält. Dort wo die Kugel aufschlägt werden Entfernungsmarkierungen gesetzt. Der nächste Spieler der Gruppe setzt an dieser Linie an. Sollte die Kugel einen Abstecher in den Graben machen, muss nochmal vom vorherigen Markierungspunkt geworfen werden.

Wer die Strecke mit weniger Würfen absolviert, liegt in Führung und bekommt einen Schoet (Punkt). Das zurückliegende Team beginnt an der nächsten Strecke. Am Ende gewinnt die Mannschaft, die am meisten Schoets erzielen konnte. Das Spiel ist so ausgerichtet, dass jeder Spieler zehn bis zwölf Würfe absolviert und je nach Spieleranzahl dehnt sich die Gesamtlänge der Strecke bis zu mehreren Kilometern aus. Man sollte seinen Bollerwagen also reichlich gefüllt haben.

Nach dem Wettkampf ist es üblich, dass beide Mannschaften sich gemütlich zusammensetzen. Normalerweise wird noch eine Rede über das Spiel abgehalten, aber man kann auch einfach, wie es bei den meisten nordischen Traditionen angesetzt ist, mit ein, zwei Bieren gebührend feiern.

Wer sein Glück versuchen will, kann sich für Boßeltouren im Nettetal, Gasthaus Knollmeyer oder im Venner Folk Frühling e.V. Folkclub weiter informieren.

Bild: FC Rosengarten