• Studentenleben Osnabrück
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Mit dem Älterwerden setzt man sich "von Hamburg bis Meppen" einigen Bräuchen der Zurschaustellung unseres heranwachsenden Alters aus. Wenn man früher als Kind noch im Vorbeigehen an einigen Häusern alte Zigarettenschachteln oder Socken hängen sah und sich fragte, was das soll, weiß man heute, dass man möglicherweise selbst bald (falls nicht schon geschehen) Träger dieses Hausschmucks sein wird.

Im Alter von 25 gibt es zwei verschiedene Sorten von Menschen: Die Verheirateten und die, die es nicht sind. Für beide gibt es jeweils eine Art, diesen Lebensstil zu feiern. Die unverheiratete Frau bekommt an ihrem 25. Geburtstag einen Schachtelkranz, der meist von guten Freunden oder Verwandten angefertigt wird und am besagten Feiertag an der Haustür aufgehängt wird. Als symbolische Erinnerung daran, dass sie nun zu den „alten Schachteln“ gehört. Nach Aushang des Kranzes, der oft mehr als 50m beträgt, gibt es verschiedene Möglichkeiten die Feier fortzusetzen. Entweder muss die Kranzempfängerin schätzen wie lang der angefertigte Kranz ist (indem meist in „Bierflaschen“ oder sonstigen alkoholischen Maßeinheiten geschätzt wird) und danach die Differenz, die zwischen Schätzung und eigentlicher Schachtelkranzlänge entstanden ist, in gewählter Maßeinheit abtrinken. Eine andere Variante ist das Frage- bzw. Aufgabestellen nach jedem Meter. Bei nicht bestandener Aufgabe oder korrekt beantworteter Frage wird die „alte Schachtel“ mit einem alkoholischen Getränk bestraft. Der Schwierigkeitsgrad der Fragen kann je nach Belieben der Freunde/Verwandten variiert werden und auch bei der Ausführung kann spielerisch differenziert werden. Ob mit einem Gast zusammen getrunken wird oder Würfelspiele etwas Abwechslung in die Sache bringen, ist jedem selbst überlassen.

Dagegen bekommt eine verheiratete Frau zu ihrem 25. einen grünen Kranz geschenkt. Traditionell wird auch ein Fest zwischen dem Auf-und Abhängen des Kranzes gefeiert: Das Kranzgießen. Dieser Kult gilt eigentlich nur dem grünen Kranz, der gegossen werden muss, um nicht zu vertrocknen, wird aber auch im übertragenen Sinne beim Schachtelkranz übernommen. Auch beim Kranzabhängen nach 3 -4 Wochen wird wieder gebürtig gefeiert.

Bei den unverheirateten männlichen 25-jährigen läuft die Tradition sehr ähnlich ab, jedoch werden anstatt alter Schachteln alte Socken aus dem Freundeskreis gesammelt und gestopft. Die Geheimhaltung dieses Vorhabens unter den Beteiligten ist von hoher Priorität, damit die Überraschung bei dem Beschenkten auch gebührend einschlägt. Wie bei dem Ablauf der Schachtelkränze sind auch hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Was man beachten sollte, ist, dass während eines Schaltjahres der Brauch getauscht wird: Die Frauen bekommen Socken- und die Männer Schachtelkränze.

 

Von Jungfrauen freigeküsst

Zum 30. Geburtstag steht dann für alle ledigen Männer das ursprünglich aus Bremen stammende „Treppen fegen“ an. Man sucht für den Betroffenen eine öffentliche Treppe (meist die Rathaustreppe), die er so lange fegen muss, bis eine weibliche Jungfrau sich erbarmt und den Treppenfeger „freiküsst“. Mit der Zeit wurde dieser Grundsatz etwas gelockert und auch unverheiratete Frauen und welche mit dem Sternzeichen Jungfrau dürfen den Mann erlösen. Wie bei den anderen Bräuchen weiß auch hier das Geburtstagskind nichts von seinem Glück und der Termin wird im Geheimen vom Freundeskreis ausgewählt. Um das Ganze nicht zu langweilig erscheinen zu lassen wird der Betroffene auffällig verkleidet und muss mit einem kleinen Besen oder einer Bürste anfangen und sich durch Fragen und Aufgaben bessere Besen erkämpfen. Seine Freunde können ihm das Ganze noch etwas erschweren indem sie immer wieder Kronkorken auf die frisch geputzte Treppe werfen. Traditionsgemäß wird natürlich immerzu mit dem Fegenden angestoßen. Nach „Befreiung“ wird in einer Kneipe oder zu Hause weitergefeiert.

Für die 30jährige ledige Frau entwickelte sich aus dem Brauch des Treppenfegens das Klinkenputzen. Das Verfahren gleicht dem oben genannten, nur wird der Frau eine Tür (oft auch selbstgebastelt mit vielen Klinken) gesucht und dessen Klinke mit Zahnpasta, Margarine, Senf und ähnlichem eingeschmiert. Angefangen mit kleinen Putzutensilien wie Wattestäbchen, muss sie sich ihre besseren Arbeitsutensilien spielerisch verdienen. Diese Prozedur wird so lange weiter verfolgt bis eine männliche Jungfrau (ebenso gelockerte Regeln wie bei der weiblichen Jungfrau) Mitgefühl zeigt und das Geburtstagskind freiküsst.

 

 

Bild: Sparschweine-unikate.de