• Studentenleben Osnabrück
  • Studentenleben Osnabrück

Es war der letzte Tag der offenen Burg in dieser Form, auf diesem Boden: Der Kulturverein Petersburg lud klassisch zum 03.10. auf sein schrumpfendes Gelände ein, das nun weitgehend dem Eigentümer, der Zion GmbH weichen muss.

Mit Tanzacts, Workshops, Theater, Konzerten, Lagerfeuer und leckerem Essen feierte die Petersburg das Ende aber auch den Anfang einer Ära. Zwar war die Stimmung unter den zahlreichen Besuchern sehr gut, doch schwang auch eine stille Melancholie mit. Denn jeder wusste: Das ist vielleicht das letzte Mal in dieser Form. So mischten sich nostalgische Gefühle mit den Gefühlen einer Abschiedsfeier und dem schüchternen Optimismus auf einen baldigen Neuanfang, irgendwie, irgendwo, irgendwann. Auch Bürgermeisterkandidat Klein (Grüne) und Stadtbaurat Otte drückten mit ihrem Erscheinen ihre Solidarität aus.

 

"Wir fordern einen neuen Eigentümer hier"

Julian Essig aus dem Vorstand des Kulturvereins Petersburg kennt die ganze Geschichte und die rechtlichen Hintergründe: Die Zion GmbH, die in Verbindung zur religiösen Gemeinde Lebensquelle steht, kaufte damals kein Grundstück, sondern wiederum eine ganze GmbH und damit auch den Mietvertrag für den Freiraum Petersburg, der eigentlich bis 2018 Gültigkeit bewahren sollte. Da also nicht direkt ein Grundstück gekauft worden ist, war es für die Stadt offenbar nicht möglich, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, um das Kulturbiotop zu beschützen.

Es ist auch davon auszugehen, dass Zion GmbH und Lebensquelle vor den Recherchen durch os1.tv und einer informativen Reportage von der Stadt schlicht unterschätzt worden sind. Geplant ist nämlich ein Gemeindezentrum gigantischen Ausmaßes für die stark umstrittene Lebensquelle.

Mit dem Verkauf an die Zion GmbH und dem angemeldeten Eigenbedarf für das Gemeindehaus begannen auch erste – rechtlich einwandfreie – Gängeleien: Zugangswege wurden verkompliziert, Fahrzeuge wurden abgeschleppt (inklusive der zum Warenzeichen gewordene Bus vor der Kleinen Freiheit) und vieles mehr.

Gespräche zwischen dem Kulturverein und Zion sollten die Situation beruhigen. Es konnte eine mündliche Zusage für die weiterhin friedliche kulturelle Nutzung eingeholt werden, doch dann folgte das bundesweit bekannt gewordene Interview auf os1.tv, in dem Ralf Gervelmeier von der Zion GmbH, selbst Vertreter der Lebensquelle und Mitglied der Partei Bibeltreuer Christen, Homosexualität als Sünde bezeichnete.

Anschließende Protestaktionen und Aufschreie wurden wohl fälschlicherweise dem Kulturverein Petersburg zugeschrieben, jedenfalls folgte im Juli 2013 bereits die Kündigung für das nächste Gebäude sowie ein "Knebelvertrag", inklusive Auflösungsrecht jeder Veranstaltung durch die Zion GmbH. Entgegen der ursprünglichen mündlichen Nutzungsvereinbarung sollte die Petersburg bis Mai geräumt werden. Dagegen klagte das Kulturbiotop. Die Verhandlungen waren für diesen Oktober angesetzt, doch die Petersburg entschied sich dazu, auf die Verhandlungen zu verzichten und freiwillig zu gehen. Der Klügere gibt nach.

 

"Wir kommen zurück"

Zur Lagerung der Sachen bietet die Stadt dem Verein den Ringlockschuppen neben dem alten Five Elements an. Am morgigen Sonntag, 05.10., wird via Menschenkette umgezogen. Jede helfende Hand ist erwünscht, der gemeinsame Umzug sei auch eine stille Protestaktion.

Fotos: Philipp Adolphs