• Studentenleben Osnabrück
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In der fünften Klasse war es uns noch peinlich, wenn unsere Eltern sich vor den Freunden auf dem Schulhof blicken ließen – selbst, wenn sie ihre 1,4 Prinzessinnen und Prinzen bloß im 5er BMW oder VW Tuareg bis vor das Gymnasium lieferten, bevor es weiter zum mittelständischen Bürojob ging.

Leicht übertrieben und pauschalisiert? Mag sein, aber die heranwachsende Generation von zukünftigen Studis leidet unter einem erdrückenden Problem, an dem sie nur selbst etwas ändern kann und sollte:

Was uns früher noch peinlich war, wird heute hingenommen, wenn nicht sogar begrüßt. Der Elterntag (in Osnabrück am 26.01.) ist ein Paradebeispiel für den Verfall von Bildung und Lehre, aber auch der Erziehung seit Beginn dieses Jahrhunderts: Abitur mit 17 Jahren, Anwesenheitspflicht an Hochschulen, ein durchstrukturierter Bachelor mit unwesentlich mehr Wahlmöglichkeiten als die Oberstufe (dafür aber mit 10 Prüfungen pro Semester), Studiengebühren, und sogar die Ritalin-Vergiftung von Kindern, die aus der Reihe tanzen oder diesem Druck nicht standhalten können – das alles sind Phänomene, die kritischen Medien längst aufgestoßen sind (siehe unten).

Zuerst kam die Überregulierung, die Bürokratisierung des Bildungswesens, auf Kosten der freien Entfaltung. Fast zeitgleich begann mit Bologna auch der beginnende Untergang des selbstverantworteten Studiums, das eigentlich einmal von der humanistischen Idee motiviert war, vernunftbegabte und zur Kritik fähige Menschen zu unterstützen, anstatt gleichgeschaltete, unselbstständige und folgsame Zahnräder der Wirtschaft zu "produzieren". Dazu gehört auf Seiten der Studierenden eigentlich auch, dass man spätestens mit dem Erwerb der Hochschulreife und dem Antritt eines (im besten Fall selbst gewählten) Studiums das Charakteristikum der Eigenständigkeit entwickelt haben sollte. Und dazu gehört eine gewisse Loslösung von Hotel Mama und den heimatlichen Strukturen inkl. Kinderzimmer, aber auch eine verantwortungsvolle Loslösung von Studienverlaufsplan, Regelstudienzeit, Hausaufgaben, Anwesenheit und einigem mehr.

Man kann es vielen Studis in den ersten Semestern nicht verdenken, dass sie in ihrer Sturm-und-Drang-Phase schweigen und stattdessen lieber schon vor Beginn des Seminars in die Bibliothek gehen, um die auf Stud.IP empfohlene Literatur durchzugehen. Viele kennen es nicht anders, sie kommen von einer Schule und aus einem Elternhaus, in der die Leistung im Vordergrund stand – und nicht die freie Persönlichkeit.

Es bleibt zu wünschen, dass die Mehrheit von uns noch immer peinlich berührt ist, wenn die Eltern auf dem Schulhof, bzw. im Hörsaal der Uni erscheinen. Der Unterschied zu Früher ist: Wir sind inzwischen erwachsene Menschen oder werden es gerade. Und dafür brauchen wir nichts anderes als viel Zeit & Raum im Kalten Wasser. Ohne Mama & Papa.

 

Links:

>> Studenten als Nesthocker (Spiegel)

>> Wo die wilden Kerle wohnten (FAZ)

>> Studentische Nesthocker (Süddeutsche Zeitung)

>> Programm des Elterntags der Uni Osnabrück