• Studentenleben Osnabrück
  • Studentenleben Osnabrück

Gibt man bei der beliebtesten Suchmaschine Deutschlands den Begriff „Dozent“ ein, so findet man 5.760.000 Ergebnisse dazu. Doch wer oder was genau ist dieses Wesen? Ein Mensch, ein Tier, eine übernatürliche Erscheinung? Wir haben einmal versucht, für euch die wichtigsten Fakten zusammenzutragen.


Dozent, der;

Substantiv, maskulin

Lehrender an einer Hochschule, Fachhochschule, Volkshochschule u. a. Einrichtungen, besonders in der beruflichen Aus- und Weiterbildung 1


Nunja, so viel zu der offiziellen Definition. Doch wir Studenten wissen genau, dass diese Beschreibung die vielen Facetten im Umgang mit einem Dozenten überhaupt nicht erfassen kann. Ein Dozent ist nicht einfach ein „Lehrender“!

Der allgemein angenommene Lebensraum des gemeinen Dozenten ist die Universität. Dort fühlt er sich wohl und kann seine Macht völlig ungeniert ausleben. (Dozent ist (s.o.) maskulin, daher benutzen wir die maskulinen Artikel. Es kann sich selbstverständlich auch um weibliche Ausführungen handeln!) Diese kleinen Büros, je nach Fachrichtung anders eingerichtet, zeigen die Lebensgewohnheiten dieser Wesen. Von den gemütlichen Professoren der Germanistik, die ihrem Dackel ein geräumiges Körbchen an der Heizung des Büros bereitstellen, bis hin zu den Naturwissenschaftlern, deren Büros durch weiße Wände, klare Strukturen und undefinierbare, dauerhaft piepende Gerätschaften bestechen.

Jeder Dozent hat seine eigene Art sich selbst zu präsentieren, die nicht nur von der Fachrichtung sondern auch mit den persönlichen Eigenarten in Verbindung steht. Die einen zeigen voller Stolz die Regale an der Wand, die mit den von ihnen verfassten Büchern gefüllt sind, die anderen wollen einen nahezu familiären Eindruck erwecken und haben ihr zweites Zuhause mit lauter Familienfotos und kleinen Figuren bestückt. All das lässt schon einige Schlüsse über den Charakter des Dozenten zu. Wichtig ist hier, einzuschätzen, um welche Gattung es sich in dem aktuellen Fall handelt. Ist das präsente Objekt eher der kühle und sachliche Lehrende, der herzliche Elternersatz oder der klassische Narzisst, der am liebsten über sich selbst spricht?
Je nach Gattung muss hier das Verhalten angepasst werden, von sachlich und aufs Thema bezogen bis hin zu gefühlvoll und an dem Leben des Dozenten interessiert.


Doch Moment – ZWEITES Zuhause?

Ja, richtig gehört. Auch, wenn Dozenten sich ausschließlich in der Universität aufhalten sollten, so müssen wir doch der Realität ins Auge sehen, dass diese Wesen auch so etwas wie ein Privatleben haben. Ja, manche Exemplare dieser Existenzen (so haben wir es jedenfalls gehört) haben sogar Familie, ein eigenes Haus und sogar Kinder.

Aber was tun, wenn man die Dozenten plötzlich außerhalb des gewohnten Lebensraumes antrifft? Abhängig davon, ob man den entsprechenden Dozenten von (etwas privateren) Seminaren oder nur aus Vorlesungen kennt, ist es auch unterschiedlich unangenehm (für beide Seiten!), ihn außerhalb des Campus zu treffen. Auch die Situation kann für besonders gravierende oder eben absolut erträgliche Peinlichkeit sorgen. Den Dozenten nach dem Training in der Sauna des Fitnessstudios oder am Wühltisch einer Modekette zu treffen ist (garantiert!) deutlich peinlicher, als ihm beim gemütlichen Kaffee im Café in der Stadt über den Weg zu laufen. Und das ganze ist mit einem Dozenten aus einem Seminar, der im schlimmsten Fall den eigenen Namen kennt, noch deutlich peinlicher als bei dem Dozenten aus der Vorlesung, in der man zusammen mit 200 anderen Kommilitonen als anonymer Student in der Menge untergeht.

Im Kontakt zu diesen Wesen ist es besonders wichtig, dass man ihnen das Gefühl der Überlegenheit ständig vermittelt und ihren Intellekt bewundert. Dinge wie Korrekturen in der Aussprache oder Anmerkungen von Fehlern in Skripten oder Ausarbeitungen des Dozenten sind dringend zu unterlassen, da dies zu sofortigem Stimmungsumschwung mit bisher ungeklärten Folgen führen kann. (Studenten, die dies einmal ausprobiert haben, sind seit dem nicht mehr gesichtet worden. Daher können wir hier leider nicht aus Erfahrungsberichten zitieren!) Doch auch zu offensichtliche Bewunderung ist schädlich. Wird diese Handlung als allgemein bekanntes „Einschleimen“ enttarnt, ist man genauso schnell in der untersten Sympathieliga angekommen, wie man es mit Korrekturen schaffen kann.

Wo genau ist jetzt das richtige Maß? – Nun, das muss man (so hart es auch klingt) bei jedem Dozenten neu austesten. Hier gibt es ähnlich gravierende Unterschiede wie in der Bürogestaltung, weshalb es nahezu unmöglich ist, eine Aussage für das „durchschnittlich geduldete Einschleimen“ festzulegen.
Sehr wichtig ist nur, sich langsam und in kleinen Schritten an den Rand des Erträglichen heranzutasten. Nur so ist der Abstieg im Ansehen des Dozenten noch zu kontrollieren.

Wenn wir alle einmal ehrlich zu uns selbst sind – was wäre die Uni ohne die Dozenten. Was wäre die spannendste Vorlesung ohne die leicht verwirrte Person am Pult, die krampfhaft versucht, das Flimmern des Bildschirms und das knacken im Ton zu beheben? Wir alle lieben die Eigenarten unserer Dozenten, wir wissen sie zu schätzen, und mal ganz davon abgesehen – ohne Dozenten gäbe es die Uni überhaupt nicht! Und das will nun schließlich keiner, denn was würde man plötzlich mit dem ganzen Geld machen? Aber dazu ein anderes Mal mehr...