• Studentenleben Osnabrück
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 Ein Artikel von Cornelius Domenghino

Nach zwei gemütlichen Kultur- und Gesellschaftswissenschaften gehen wir heute mal ans Eingemachte. Schluss mit Sitzkreisen und Diskussionsrunden. Schluss mit breiten Interpretationsspielräumen und persönlichen Einstellungen. Jetzt geht es um Fakten und knallhart falsifizierbare Hypothesen. Es geht um die Königin der Naturwissenschaften: Die Biologie!

Chemie, Physik und sogar die Mathematik sind unser Handwerkszeug. Sie sind die Knechte derer wir uns bedienen, wenn wir es nicht vermeiden können - was der bequeme Biologiestudent aber so oft wie möglich tut. Auf der anderen Seite wird Biologie oft auch „die weiche Naturwissenschaft“ genannt und von den oben erwähnten „Knechten“ mild belächelt. Vielleicht ist das der Grund, warum die Bio-Vorlesungen in den ersten Semestern völlig überlaufen sind. Bei der Ringvorlesung im ersten Semester muss man schon Glück haben, um noch einen Platz im Hörsaal zu ergattern und nicht selten auf der Treppe Platz nehmen.

Die Motivation der unzähligen Anwesenden reicht vom überzeugten Greenpeace-Aktivisten, über den wirklich neugierigen Naturforscher, bis zur 2-Fach-Bachelorette mit Abschlussziel Grundschullehramt, die Tiere und so immer schon niedlich fand. Irgendwie finden sie in der Biologie alle Platz, es sei denn der Hörsaal ist zu klein.

Die Unterdisziplinen sind in den Biowissenschaften so verschieden wie die Studenten im Hörsaal. Sie reichen von der eher jungen und noch vagen Verhaltensforschung, über das weite Gebiet der Ökologie, Botanik und Tierphysiologie, bis hin zur Mikrobiologie und Genetik. In ersterer zählt man unter anderem, wie viele Enten sich auf ein geschickt platziertes Stück Brot stürzen und überlegt sich warum, in letzteren geht es um die Funktionsweise der Grundbausteine des Lebens. Ihre Daseinsberechtigung haben sie aber alle  - und eines haben sie alle gemeinsam: Sie alle machen nur Sinn im Lichte der Evolution.

Der geschickte und bequeme 2-Fächer-Student hat evolutionsbedingt das Ziel, gerade die Kurse zu finden, die den geringsten Zeit- und Lernaufwand bedeuten, um noch genügend Zeit für sein zweites Fach und extracurriculare Veranstaltungen  zu finden. Dabei sollte er sich aber lieber auf die Erfahrungen der höheren Semester als auf seinen Bauch verlassen, denn der erste Eindruck kann täuschen. Der 1-Fach-Biologe hat es da „leichter“. Er hat deutlich weniger Auswahl und muss sich deshalb auch nicht mit dieser, sondern mit den einzelnen Seminaren und Praktika quälen, die er eigentlich vermeiden wollte.

Eines steht wohl fest, die spektakulärsten Exkursionen in Osnabrück unternehmen die Biologen. Immer wieder werden Ziele wie die französische Atlantikküste, Teneriffa, Südsibirien oder Costa Rica angeboten. Was man dann vor Ort alles macht, liegt ganz am Fachbereich. Ob man vor Ort Pflanzen oder Würmer sammelt oder Boden- und Wasserproben analysiert, die Reise lohnt sich bestimmt immer.

 

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In der Serie das Studentenleben der Anderen stellen Studis ihre Fächer vor. Die Texte verraten nicht nur Erstis und Interessenten, was die Friedensstadt uns zu bieten hat, sondern auch älteren Semestern, was ihre Kommillitonen eigentlich den ganzen Tag lang so (nicht) tun.