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19.09.2015

Zeitmanagement im Studium

Ars longa, vita brevis - Das Leid mit der Zeit

Fast jeder Student kann sich an seine ersten Tage an der Uni erinnern: hochmotiviert und mit dem feste Vorsatz: hier wird alles anders als in der Schule!

Fangen wir an mit der Bestandsaufnahme: im Idealfall hat der Ersti sich über seinen Studiengang informiert, sitzt wissbegierig nach Absolvierung der Einführungswoche mit gespitztem Bleistift und mehrfach ausgestattet mit Kugelschreibern in den Vorlesungen und Seminaren und schreibt fleißig mit. Weil man irgendwann bestimmt auch die kleinste Information des geballten Wissens brauchen wird, dass der Dozent gerade vor seinen Studenten erbricht. Und Fristen und Pflichten, kleinen Moment, die finden sich natürlich im farblich strukturierten und markierten Campus-Timer.

 

Betrachtet man dann die fortgeschrittenen Semester, wird eins schnell offensichtlich: diese Motivation, immer alles anders machen zu wollen, verliert sich nicht. Vielmehr trägt man sie, wie einen liebgewonnenen Mantel, jedes Semester erneut zur Schau. Aber! – und hier lauert der Fallstrick, der jedes Semester ebenfalls wie eine alte Tradition auftaucht – jedes Semester wird gebremst. Gebremst und behindert von Zeit, denn auf einmal, ganz überraschend natürlich, naht die Prüfungsphase, die Hausarbeit ist noch nicht fertig und die vorlesungsfreie Zeit fast vorbei. Oder die Abgabefrist für die Anmeldung des Praktikums, tja, die war halt gestern.

 

Aber warum ist Zeitmanagement wirklich wichtig? Nicht jeder und jede wird zum absoluten Überflieger, nur weil alle Termine farblich markiert werden. Aber jeder Mensch, der nicht gerade schläft, betreibt Zeitmanagement. Die Frage dabei ist nur, ob es professionell und strukturiert oder eben intuitiv getan wird. Einige Dinge im Leben sind mitnichten planbar, und man muss sich auch intuitiv an Situationen anpassen können. Trotzdem erleichtert eine genaue Planung und Organisation des Studiums, den Problemen des verschulten Studiums besser begegnen zu können und einer Negativspirale aus fehlender Organisation und mangelhafter Effizient, was zur Abnahme der Motivation führt, entgegen zu wirken.

Im Folgenden sollen einige Tipps und Tricks, kleine Ratschläge folgen, die euch ermöglichen können, Zeit effizient und erfüllend (auch für die Persönlichkeit, das sollte man nie vergessen) zu nutzen. Denn mehr Zeit bedeutet mehr Lebensqualität.

1) Fangen wir mit dem großen Ganzen an: Was will ich? Wer bin ich, ist meist schon eine zu komplexe Frage, aber eine (realistische) Zielsetzung ist das A und O! Nur Ziele, die ich erreichen kann, machen mich auf Dauer glücklich und verhindern eine Negativspirale und den Verlust der Motivation. Und für jedes erreichte Ziel kann man sich belohnen. Am Ende des Tages heißt es also: welches Studium möchte ich in welchem Zeitraum absolvieren und welchen Abschluss habe ich damit erworben? Und dann können kleine und individuelle Ziele folgen…

 

2) Das Studium und alle wichtigen Termine und Fristen lassen sich zumeist schon sehr lange im Voraus planen: also ran an den Speck und Semesterübersichten anlegen, ein Dokument zu den wichtigsten Terminen und schon hat man alles Wichtige im Blick. Eine zeitökonomische Studienplanung ermöglicht es euch, das Studium in dem Zeitraum zu schaffen, den euch die Regelstudienzeit vorgibt oder den ihr euch als Ziel gesetzt habt – und auch wenn das nicht sexy klingt, sieht es im Lebenslauf dann wenigstens gut aus. Trotzdem bitte nie vergessen, sich beim Prüfungsamt, am schwarzen Brett oder im Verwaltungssystem nach neuen Terminen, nach neuen Vorträgen oder Events umzuschauen!

 

3) Unklarheiten und Unübersichtlichkeit liegen im Wesen des Studiums. Es gibt kaum jemanden, der aus dem Ärmel geschüttelt sagen kann, welcher Studiengang welche Fristen hat, wann die neuen Vorlesungen freigeschaltet werden und wer jetzt der beste Ansprechpartner für Problem XYZ ist. Dafür gibt es entweder einen gut informierten Freundeskreis, oder Dinge wie das schwarze Brett. Der Appell lautet hier: Informieren und vernetzen!

 

4) Immer kleinschrittiger werdend, folgt nun der Studienalltag: wichtig ist, dass ihr euch selber kennt. Nicht jeder Student folgt demselben Biorhythmus oder ist derselbe Lerntyp. Nehmt da die Zeichen eures Körpers ernst, so tut ihr für euch am meisten. Das heißt natürlich nicht, dass ihr nie eine Vorlesung morgens um 8 belegen könnt, weil ihr da eben noch schlaft, aber das Prinzip dürfte klar sein. Ach, und Feiern gilt nicht als studienrelevantes Zeitmanagement – auch wenn es noch so elementar damit verknüpft sein mag.

 

5) Vor der Hausarbeit haben wir nun festgestellt, dass wir sie schreiben müssen. Idealerweise haben wir mehr als drei Tage, weil die grobe Zeitplanung gegriffen hat. Nun müssen wir Zeitdiebe liquidieren. Hier ist nicht nur die Rede von Facebook und Handy, sondern leider auch von Freunden, mentalen Zeitfressern wie Stress, Liebeskummer oder Langeweile. Das heißt nicht, dass Zeitmanagement zu einer Art Selbstkasteiung werden soll. Nur Arbeit oder auch Lernen für eine Klausur sind nur selten kompatibel mit sozialem Leben. Für diese Bereiche des Lebens gilt aber ganz klar: auch sie gehören dazu – zum Glück! -, sollten aber eben ihr eigenes Zeitfenster haben.

 

6) Zum Arbeiten und Lernen müssen passende Orte und unter Umständen Gruppen her. Das nächste Café ist zum effizienten Lernen selten der beste Ort um konzentriert den komplexen Ablauf des CO2-Kreislaufes zu wiederholen oder die lateinischen Vokabeln der letzten Einheit zu büffeln. Und auch Lerngruppen, die sich durch Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit oder Launenhaftigkeit auszeichnen, sollten überdacht werden. Aber auch hier steht eure persönliche Empfindung im Vordergrund, denn es gibt eben verschiedenste Lerntypen.

 

7) Last but not least, sozusagen: Schafft euch Zeitpuffer. Nicht nur für das Lesen des Textes, der doch komplexer ist als gedacht. Auch für das Eis mit der besten Freundin, das Fußballspiel am Mittwochabend oder den Kaffee mit dem Nachbarn. Alles muss seine Zeit haben und manches darf halt auch einfach passieren. Nur Planung macht es eben manchmal einfacher.

Autor: Raffaela