• Studentenleben Osnabrück
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19.04.2016

Wo ist unsere Kreativität geblieben?

Ein Kommentar

 

Was macht uns aus?

Verhalten wir uns in der Uni wie wir selbst?

Warum nicht?


Neulich habe ich ein Buch über eine viel zu früh verstorbene Yale Absolventin gelesen, die sich einfach in kein Schema pressen lassen wollte. Besprechungen von Hausarbeiten haben sich wie ein zähes Kaugummi gezogen, weil sie auf ihrem Standpunkt beharrt hat. Ich war äußerst beeindruckt davon, dass es Studenten gibt, die ihrem Dozenten und Professoren kontra geben, weil sie von sich selbst überzeugt sind.

Ich selbst hatte schon oft das Gefühl, dass Dozenten einfach der Schreibstil oder die Struktur meiner Hausarbeit nicht gepasst hat und ich deswegen nur eine mittelmäßige Note bekommen habe, weil ich von der Norm abweiche, eben nicht in dieses Schema der perfekten Hausarbeit passe oder mich eben auch nicht in dieses Schema pressen lasse. Marina Keegan wurde zu einer Art Superheld für mich. Sie glaubt an sich und ihren Schreibstil und ist auch bereit jeden einzelnen Satz ihrer Hausarbeit zu verteidigen. Was nicht heißt, dass man nicht auch mal durchfällt oder einen schlechten Tag hat und keine glorreichen Zeilen verfasst. Aber ich finde, dass wir uns viel zu sehr beeindrucken lassen von Doktortiteln und Fachbegriffen wie Akkreditierung und ECTS.

Wo sind die Kinder hingegangen, die zu allem und jedem nein gesagt haben, die auf jede Frage mit einem warum geantwortet haben und wo sind wir selbst dabei geblieben? Haben wir uns vielleicht von Fachbegriffen einlullen lassen und haben uns den Erwartungshorizont aufmalen lassen?

Wie soll man denn etwas Neues und Innovatives schaffen, wenn man stets in alte Muster gedrückt wird? Formalia klauen uns unsere letzten Freiheiten. Klar, gibt es gewisse Vorgaben einer Hausarbeit oder gar einer Bachelorarbeit, das möchte ich gar nicht in Frage stellen – aber wo bleibt denn da die Individualität? Wie sollen wir uns denn gegenüber des Dozenten abheben und einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wenn wir in der Vorlesung doch nur eines aus hunderten Gesichtern sind um dann am Semesterende mit eben jenen eine von vielen Hausarbeiten einreichen mit demselben Thema, im selben Modul mit demselben Erscheinungsbild und natürlich denselben fachlichen Ausdrücken und Redewendungen. Und ganz wichtig: Bloß nicht plagiieren und oh weh du verwendest mal das Wort „Ich“ – das schreit ja quasi nach Eigenleistung. Und das möchte der Musterstudent ja nicht, man könnte ja tatsächlich mal einen eigenen guten Gedanken zu Papier bringen und in die Hausarbeit etwas wie Individualität einfließen lassen. Aber wehe dem der eine eigene Position hat, die von der des Dozenten abweicht. Es gibt ja bekanntermaßen nur die Dozentenmeinung und die Falsche.

Da frag ich mich doch, ob wir wirklich nur Matrikelnummern sind oder doch vielleicht mehr in uns steckt als eine Matrikelnummer, als eine sechsstellige Zahlenkombination?

Autor: Sabine