• Studentenleben Osnabrück
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25.08.2016

Was ich gerne zu Beginn meines Studiums gewusst hätte...

Nun hab ich viel mit Freunden und Familie über das Studium, sowohl mein eigenes als auch fremde, unterhalten und bin zu dem Schluss gekommen, dass mir das Studium bisher gut getan hat. Ich habe oft darüber nachgedacht, gezweifelt, geweint, prokerstiniert aber am Ende stehe da wo ich sein möchte. Ich hab mich oft geärgert über Noten, die ich persönlich ungerechtfertigt empfand oder Klausuren bei denen ich hätte besser abschneiden können aber im Endeffekt hab ich aus jeder einzelnen Handlung meiner Studienzeit gelernt. Ich hab gelernt dass eine Hausarbeit verdammt viel Zeit in Anspruch nimmt, vor allem wenn einem das Thema nicht gefällt oder gar widerspricht. Das es Dozenten gibt, die sich gerne selbst reden hören und mir die meistens auf seltsame Weise vom ersten Moment an unsympathisch waren.

Nicht jeder muss oder sogar sollte studieren.

Während ich aufgewachsen bin war immer klar, ich werde mal studieren. Meine Geschwister wollten beide ihr Abitur machen um danach zu studieren, meine Eltern und das schulische Umfeld wollten das, die logische Schlussfolgerung war das ich das auch zu wollen habe. Wie selbstverständlich wurde schon in der Grundschule entschieden, dass wir alle einmal das Gymnasium besuchen werde, ein mindestens passables Abitur ablegen und dann schließlich studieren. Vielleicht oder sogar wahrscheinlich lag es teilweise bei mir, dass ich einen gewissen Druck gespürt habe diesen Erwartungen an mich und meine Zukunft gerecht zu werden. Das soll jetzt auf keinen Fall heißen, dass ich unzufrieden mit meiner Studienwahl wäre oder gar der Tatsache, dass ich überhaupt studiere, denn ich bin für mich selbst verantwortlich. So wie jeder andere auch!

Und jetzt kommt das Aber, denn ich habe Glück: ich habe einen Studiengang gefunden, der mir Spaß macht, mich in gesundem Maße herausfordert und meine Leistungen widerspiegeln, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nicht jede Klausur oder Hausarbeit weckt in mir Begeisterungsschübe, natürlich nicht, genauso wenig wie ich mich über den ein oder anderen minder erfrischenden Grundlagenkurs Montags um 8 Uhr erfreue, so kann ich doch im Resümee sagen, dass ich die Vielzahl meiner Kurse gerne besucht habe und ich die Freiheit genoss, dass ein oder andere Hausarbeitsthema selbst zu wählen.

Kommilitonen sind nicht gleich Freunde

Man lernt Freunde und Kommilitonen zu unterscheiden, was definitiv nicht leicht ist. Ganz genau trennen kann ich das immer noch nicht, aber oft sind Kommilitonen die Menschen, für die du während der Semesterferien in Vergessenheit gerätst und die sich frühestens zu Semesterbeginn melden und dann urplötzlich, sobald die Klausurenphase anfängt, stehen sie regelmäßig vor deiner Tür, schlagen Lerngruppen vor und sind gerne bereit deine Hausarbeit quer zu lesen, wenn sie im Gegenzug deine Zusammenfassung bekommen.

Pack so viel wie möglich in die ersten beiden Semester, denn ab dem dritten wird es stressig? NICHT!

Unzählige Male hab ich, vor allem im Ersten Semester, gehört wie stressig das dritte und vierte Semester sein soll, deshalb wäre es ratsam möglichst viele Kurse schon vorzuziehen und auf jeden Fall keine Klausuren zu schieben, falls irgendwie möglich. Die Studenten haben sehr kompetent gewirkt, irgendwer muss sie ja schließlich als Tutor für geeignet befunden haben, daher hab ich ihren Rat im Hinterkopf behalten. Zum Ende meines vierten Semesters hab ich mich dann etwas veräppelt gefühlt. Eine Mitstudentin erzählte mir sie hole die allseits gefürchtete Statistikklausur nach und mir stockte der Atem. Ich habe Statistik wie man so sagt „durchgezogen“ ich war eigentlich nicht schlecht, war stets in allen dafür vorgesehenen Übungen und hab Übungsaufgaben fast ausnahmslos korrekt bearbeitet. Obwohl ich eigentlich gut vorbereitet war bin ich dennoch mit einem unguten Gefühl in die Klausur und hab am Ende eine gute, aber keine sehr gute Leistung erbracht. Um es milde auszurücken, ich war nicht zufrieden. Die Kommilitonin erzählte mir freudig, dass sie völlig gelassen an die Klausur rangeht, da sie Einsicht in die Altklausur hatte und der diesjährige Tutor ein guter Freund von ihr ist, der ihr gerne beim Lernen hilft. Schlau von ihr denke ich. Und am Ende muss ich einsehen, keiner hat mich gezwungen die Statistikklausur mitzuschreiben, den Stress hab ich mir selbst gemacht und so muss ich mich wohl fragen wieso ich nicht selbst auf die simple Idee gekommen bin, meine Klausur zu schieben und stattdessen unter Stress eine mittelmäßige Klausur geschrieben habe.

Man sollte nicht von amerikanischen Teenie Filmen auf das Unileben schließen.

Natürlich gibt es immer solche und solche, aber die meistens Studenten feiern nicht jeden Tag all-night-long, schaffen es trotzdem pünktlich um 8 Uhr in der Uni zu sitzen und trotzdem passable Noten zu schreiben. Ein Freund von mir hat das versucht und holt jetzt noch Klausuren aus dem zweiten Semester nach. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich nicht die ein oder andere durchzechte Partynacht hinter mir habe oder wilde - warte, es kommt gleich - legendäre WG Partys, aber Partyqueen und Einserkandidat sind zwei Titel, die sich schwer miteinander vereinbaren lassen.

 

Wenige lernten den besten Freund oder die neue beste Freundin in der Ersti- oder Orientierungswoche kennen, die natürlich den coolsten Freundeskreis aller Zeiten vorstellen. Oft lernt man am Anfang eine Hand voll Leute kennen und merkt irgendwann, ob die bleiben oder eben nicht. Meist trifft man in Nachhinein neue Leute oder der Freundeskreis erweitert sich von ganz alleine, und manchmal gilt eben „lieber kein Freund als dein Freund“ Es gibt Phasen, da ist es vollkommen in Ordnung für sich zu sein. Alle Freunde machen ein Auslandssemester oder sind schon früher mit dem Abschluss durch als man selbst oder der Freundeskreis verändert sich einfach. Das ist kein Weltuntergang, vielmehr die Möglichkeit sich auf sich selbst zu konzentrieren und Dinge auszuprobieren, die man schon immer mal tun wollte aber noch nie die Zeit oder Muse hatte.

Unser Tipp: Einfach mal mit sich selbst einen Kaffee trinken gehen, Menschen beobachten und die Gedanken aufs Papier bringen.

Autor: Sabine