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04.02.2014

Uni Osnabrück im Dienste des US-Militärs: Zusatz

Eine halbe Stunde ...

nachdem unser Kommentar zur Forschung an militär- oder sicherheitsrelevanten Projekten für das US-Militär online ging, erreichte uns eine Stellungnahme aus dem Geschäftsbereich Kommunikation der Hochschule: Die Forschung an dem Projekt "O.K.-GIS. Offenes Katastrophenmanagement mit freien GIS" sei demnach rein zivilen Zwecken wie zum Beispiel dem Katastrophenschutz bei Hochwasser oder einer Bombenentschärfung in Osnabrück gewidmet gewesen. Die Hochschule selbst legt ihre Ergebnisse auf ihrer >> Seite << dar. Hier außerdem ein Auszug aus der Pressemitteilung Ralf Gartens von der HS:

 

Pressemitteilung der HS Osnabrück

"An der Hochschule Osnabrück wurde das Forschungsprojekt „OK-GIS – Offenes Katastrophenmanagement mit freiem GIS“ in den Jahren 2005 bis 2008 erfolgreich durchgeführt. Bei dem seinerzeit vom BMBF [Bundesministerium für Bildung und Forschung] geförderten Projekt handelt es sich um die Untersuchung wichtiger sicherheitstechnischer Fragestellungen im Katastrophenfall. Um schnelle und effektive Hilfe im Notfall leisten zu können, benötigen Rettungskräfte detaillierte Kenntnisse über Zufahrtswege, Gebäudezugänge, Lagerung von Gefahrgut und ähnlichen Informationen. Ernstfälle zeigen jedoch, dass genau diese logistischen Informationen wie Pläne, Messdaten oder Bildmaterial nicht direkt verfügbar sind. So können Einsatzleiter im Katastrophenmanagement, beispielsweise bei der Feuerwehr, nicht sofort auf Daten und Programme zugreifen. Selbst wenn solche Daten bzw. Informationen vorliegen, ist eine taugliche, übersichtliche und leicht aktualisierbare Verknüpfung mit der zeitnahen Lagedarstellung im Ernstfall nicht gegeben. Meist ist diese Darstellung nur auf der Grundlage einer klassischen Lagekarte in Papierform erfolgt.

Als Ergebnis des Forschungsprojekts wurde nach einer umfassenden Analyse der Vorgehensweise des Kooperationspartners Berufsfeuerwehr Osnabrück im Katastrophenfall bzw. im Fall eines außergewöhnlichen Ereignisses ein System zur Unterstützung der betroffenen Krisenstäbe entwickelt und erfolgreich implementiert. Dieses System deckt drei Aufgabenbereiche ab:

- die umfassende Datenversorgung der Krisenstäbe mit Daten zum Raumbezug sowie mit Daten, die in unterschiedlichen Formaten bei verschiedenen Behörden und sonstigen öffentlichen Institutionen bereits vorliegen.

- die Bereitstellung einer umfassenden Lagedarstellung einschließlich einer Einsatzverwaltung und Einsatzabschnittsverwaltung. Die hier als Basis zu entwickelnde digitale Lagekarte ermöglicht einen gezielten Zugriff auf die erforderlichen Daten sowie deren geeignete Darstellung für die Krisenmanager.

- wegen der Verfügbarkeit digitaler Einsatzdaten sowie weiterer umfassender sehr detaillierter Daten konnte das System um algorithmische Verfahren zur Unterstützung der Einsatzleitung ergänzt werden. Im Einzelnen handelt es sich hier um ein Navigationssystem, dass an die Besonderheiten einer Einsatzfahrt angepasst wurde, sowie ein Verfahren zur Bestimmung eines Sperrgebietes einschließlich geeigneter Absperrpunkte. Wichtige Details sind hier auch ein digitales Einsatztagebuch, die Bereitstellung von „Checklisten“ sowie die Darstellung der Einsatzhistorie."

Das Forschungsprojekt, das in den >> gesammelten Daten << des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums aufgelistet wird, sei also ein "sicherheitstechnisches", kein "militärisches" gewesen.

 

Institut für Cognitive Science für U.S. Army Research Laboratory

Dahingegen wird das Projekt der Universität Osnabrück mit 1.068.669 US-Dollar bis 2015 unterstützt vom U.S. Army Reseach Laboratory. Das Projekt der großflächig angelegten >> Cognition and Neuroergonomics Collaborative Technology Alliance << beschreibt sein Konzept wiefolgt: 

"Equipping the Army’s future force with capabilities that allow us to maintain our tactical and strategic advantages will require ongoing research investments that support the rapid transition of innovative technologies from cutting-edge basic research to fielded solutions. ARL’s Collaborative Technology Alliances (CTA) concept brings world class research and development talent among academia, private industry, and Army laboratories and centers, together to focus on Army technology objectives."

Die Universität Osnabrück entwickelt also "innovative Technologien von der wegweisenden Grundlagenforschung hin zu 'fielded solutions'", um "die zukünfitge Streitmacht der Armee mit Ressourcen auszurüsten, die es [dem US-Militär] erlauben, seine taktischen und strategischen Vorteile beizubehalten."

Damit bleibt die Frage nach der Richtigkeit oder Verwerflichkeit der Militärforschung durch öffentliche Hochschulen weiterhin im Raum. Eine Zivilklausel könnte eine Lösung darstellen, um entsprechende Forschungsaufträge in der Friedensstadt in Zukunft zu vermeiden, doch ist auch die Zivilklausel nicht immer hilfreich, wie es im [inzwischen ebenfalls geänderten] NOZ-Artikel beschrieben wird:

>> Uni Osnabrück und Militärforschung: Ruf nach Zivilklausel (NOZ, 04.02.2014) <<

Autor: Philipp Adolphs