• Studentenleben Osnabrück
  • Studentenleben Osnabrück

15.10.2015

Studentenleben der Anderen - Vol. 14: Fachmaster Germanistik

Wie ich die Liebe zu Goethe fand. Von der Studienreise zum Fachmaster

Ich muss mich meinem Vorredner anschließen: Deutsch studieren nur wenige. Die meisten sitzen es ab und betrachten die Anforderungen der Dozenten doch eher als Strafe.

Auch ich habe erfolgreich einen 2-Fächer Bachelor in Deutsch absolviert (und Englisch. Kann sich jemand vorstellen, wie oft man hört „Gott Kind, denk doch mal an die ganzen Korrekturen!“). Und ich habe einen konsekutiven Master of Education angeschlossen. Aber dann ist in meinen Synapsen etwas passiert. Wahrscheinlich war es die Mischung aus den Erfahrungen der Praktika (Ey, Frau Fridrisch, wie heißen de Dings hia noch ma? De wo die janzen Lända drinne sind? Lexikanten?), der Verzweiflung und Verwunderung ob des absolut nicht vorhandenen Interesses meiner Kommilitonen am Lehrstoff und dem dringenden Bedürfnis, allen zu beweisen, dass man als Germanist nicht Taxifahrer, Friseuse oder Kellnerin werden muss.

Natürlich ist nicht jedes Seminar an der Universität gelungen, nicht jedes Thema hoch interessant und auch ich bin keine Granate, wenn es um den Bereich der Sprachwissenschaft geht. So wie halt jeder seine Stärken und Schwächen hat.

Aber gibt es im Deutschstudium denn wirklich nur Goethe und Schiller, braucht jeder gute Lehrer wirklich nur die Klassiker zu kennen oder darf man auch einen Blick über den Tellerrand werfen?

Diese interdisziplinäre Bildung ist in Deutsch recht schwer zu ermöglichen, denn außer dem Verflechtungsbereich gibt es kaum Pflichten. Intrinsische Motivation ist hier das Zauberwort.  Also habe ich, nach dem mutigen Wechsel im 8. Fachsemester, versucht, mich zu bilden. An meinem Studienfach. Und siehe da: es ist interessant. Aber trotzdem fehlte mir etwas. Was macht den Flair des geisteswissenschaftlichen Studiums aus? Und trotz meiner Ablehnung gegen die Verabsolutierung der Klassiker, wagte ich eine Studienreise nach Weimar. Goethe und Schiller besuchen ;)

 

Nachdem eine Blondine erfolgreich von Osnabrück nach Weimar reiste (und das trotz Baustellen und Schienenersatzverkehr, auf Krücken!), konnte ich es kaum erwarten, meinen Schlachtplan auszuarbeiten. Weimar hat viel zu bieten, doch der erste Ausflug ging –wie für wahrscheinlich jeden waschechten Touri – zur Goethe und Schiller Statue. Imposant, muss man sagen, aber eben auch… naja, eine Statue halt.

Also mehr Input: Besuch des Wohnhauses Goethes und des anschließenden Museums. Goethe hatte einen Fetisch! Für Kunst. Und meiner Meinung nach auch einen Hang zu gewissen Substanzen. Mein lieber Herr Gesangsverein, eine Wahnsinns Bude, und so viel Kreativität. Die Massen an Exponaten haben mich ganz schwindelig gemacht. Der Abend endete dann mit einem Glas Wein und Blick auf besagte Statue. Irgendwie waren die Herren ja doch ganz sympathisch.

Es folgte ein Ausflug zum Wohnhaus Schillers, nicht ganz so imposant, aber trotzdem erstaunlich interessant. Nur der Mann muss auch ganz verwirrt gewesen sein, bei den Tapeten, die er da hängen hatte…

Vervollständigt wurde der Eindruck durch den Besuch des Stadtschlosses. Und man merkt, hier weht der Geist einer vergangenen Epoche, so viel Kunst, Inspiration, Mut, Klassik… alles auf einmal, man kommt sich ganz klein vor. Auch diesen Abend beging ich mit einem Glas Wein in selbigen Lokal, und auf einmal dachte ich mir: Hey, ich bin Germanist. Ich beerbe den Geist von Schiller und Goethe. Aber auch von Kafka, Grass, den Brüdern Mann… oh je, wie kann das nur gut gehen.

Den letzten Tag beging ich etwas ruhiger, ein bisschen hier stöbern, ein bisschen dort schauen, bis es dann zurück in meine gemütliche, kleine und nichtssagende Wohnung ging.

Doch was mir geblieben ist, ist der Geist der Zeit. Germanisten sind etwas Besonderes! Wenn man sich drauf einlässt, die anhänglichen Klassiker zu akzeptieren, zu verstehen und zu würdigen. Interdisziplinäre Bildung, das ist Bestandteil des geisteswissenschaftlichen Studiums und eine solide Grundbildung im eigenen Fach kann das persönliche Interesse noch bestärken. Jedenfalls geht meine nächste Studienreise nach Wolfenbüttel. Oder Heidelberg…

Autor: Raffaela