• Studentenleben Osnabrück
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13.09.2015

Special Places - Teil 1

Jeder Ort hat seine besonderen Ecken. Gewiss kennt ihr Stellen und Gegenden in Osnabrück, mit denen ihr etwas verbindet. Ein schönes oder auch schreckliches Gefühl, eine aufregende oder traurige Erinnerung. Es gibt sicher auch manche Plätze an denen ihr langgeschlendert seid, tagsüber oder nachts, geplant oder durch zufälliges trunkenes Stolpern, auf die eure Sinne in irgendeiner Form auffällig reagiert haben. So hat jeder seine eigenen „special places“.

In dieser neuen Serie wollen wir euch ein paar ausgewählte Orte in Osnabrück präsentieren, die vielleicht auch die Chance haben, mit euren Synapsen einen Tanz einzugehen. Dass der eine oder andere den vorgestellten Ort schon kennt, sollte nicht davor abhalten, dem Platz einen erneuten Besuch abzustatten. Schließlich schmeckt das Eis bei Schlecks (oder den vielen anderen Eisdielen) nicht nur beim ersten Besuch.

Beginnen wollen wir mit dem sogenannten „Hexengang“. Das schöne ist zunächst einmal, dass dieser Ort schon allein durch seinen Namen Assoziationen zu Tage fördert – wenngleich diese wahrscheinlich weniger schön sind. Es handelt sich also um einen bestimmten Gang. Genauer gesagt, um einen schmalen Weg zwischen dem Dom und der „kleinen Kirche“. Eine detaillierte Beschreibung unterlasse ich hier, um einen kleinen Schnitzeljagd-Charakter zu erhalten. Ihr werdet ihn finden. Der Gang selber ist kurz, gut begehbar und nach wenigen überschaubaren Metern vollendet. Der Name allerdings führt in die Irre. Es ist mitnichten so – wie ich z.B. anfangs gedacht habe und viele von euch womöglich auch – dass auf diesem Weg die angeblichen Hexen zu Zeiten der Hexenverfolgungen (14., 16. Und 17. Jahrhundert) geführt wurden, zum Kerker, zum Scheiterhaufen oder sonst wo hin. Zu diesem Gang existiert jedoch eine andere nicht minder traurige Geschichte, die aber in dem Fall der Wahrheit entspricht. Im Mittelalter passierten während des Gottesdienstes oftmals Seuchenkranke den Gang und beteten währenddessen. Dabei benutzen sie Holzklappern, um auf sich aufmerksam zu machen und andere Einwohner zu warnen. Daher stammt ein zweiter Name, den der Weg im Volksmund bekommen hat: „Klapperhagen“.
Mit diesem historischen Wissen geht man diesen Weg vollkommen anders. Man geht ihn bedachter. Aber auch ohne dieses Wissen ist gerade das Besondere die Ruhe, die man beim Durchschreiten erfährt. Im Schatten des großen Doms liegend ist der Schatten hier nicht Fluch, sondern Segen. Die großen Mauern des Doms sorgen dafür, dass der Lärm der Innenstadt ein wenig absorbiert wird. So scheint der Weg gerade auch für den jetzt startenden Herbst prädestiniert zu sein. Die Farben der Mauern und des Weges und die Blätter der Bäume könnten Freunde sein. Es lohnt sich diesen kurzen Weg zu durchschlendern. Es ist quasi das Outdoor-Pendant für diejenigen, welche nicht im geschlossenen Dom innehalten möchten. Viel Spaß dabei!

Autor: Josef