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20.03.2016

Sexismus thematisieren!

Auch wir von Studentenleben schauen nicht weg, wenn es um Sexismus geht. Insbesondere dann nicht, wenn es unsere nähere Umgebung bzw. das unmittelbare Umfeld wie bspw. Hochschule oder Universität betrifft. 

Am Freitag den 19.02.2016 veröffentlichten bundesweit zahlreiche Studierendenvertretungen und -verbände um 11 Uhr zwei Artikel und setzten damit ein Zeichen gegen sogenannte "Pick-up-Artists“.

Bereits im September 2012 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine einen Artikel zu sogenannten „Pick-up-Artists“.

Doch worum handelt es sich und warum wird dieses Thema ausgerechnet nach mehr als drei Jahren wieder ausgegraben?

Gibt man den Begriff „Pick-up-Artist“ in einer Suchmaschine im Internet ein, erscheint eine hohe Anzahl an Suchergebnissen. Bereits auf der ersten Seite erscheinen Anzeigen, die auf Coachings, Workshops oder Seminare hinweisen, die einem beibringen möchten, wie jeder diese Art der „Verführungskunst“ erlernen kann. Sätze wie: „Lerne wie Du jede Frau erobern kannst!“ bewerben diese Veranstaltungen.

Pick Up Artist, abgekürzt PUA oder Verführungskünstler, auch bezeichnet als Pickup Master – PUM – oder Pickup Guru – PUG – sind Männer, die besonders erfolgreich darin sind Frauen zu verführen, für sich zu gewinnen und an sich zu binden. Auch wenn dies hauptsächlich den männlichen Teil unserer Gesellschaft betrifft, gibt es auch Frauen die sich in diesen Kreisen bewegen und ebenso erfolgreich darin sind auf „Männerjagd“ zu gehen, wie es andersrum läuft. Die Frauen werden Pickup Cats genannt.

Die Gruppe dieser „Jäger“, genannt Seduction oder Pickup Community, hat zum Ziel, möglichst viele Menschen von sich emotional abhängig zu machen. Angefangen hat die Geschichte des PUA Anfang/Mitte der 1990 er. Durch Bücher und TV-Shows, Blogs und Internetportale wurden Tipps und Tricks von Verführungstechniken veröffentlicht und ausgetauscht, wie das andere Geschlecht von sich überzeugt werden kann.

Bei den bereits erwähnten „Lehrveranstaltungen“ geht es nun schlichtweg darum, das Gegenüber zu manipulieren und es zu schaffen, die Person „ins Bett zu bekommen“ bzw. emotional abhängig zu machen. Kurz gesagt, so viel Sex mit so vielen Frauen/Männern zu haben, wie nur irgendwie möglich.
Häufig prahlen diese PUA´s mit ihren Erfolgen auch im Internet. Das Gegenüber wird von ihnen nicht als Person geschätzt, sondern als Objekt angesehen und somit benutzt. Den psychischen Stress und das Leid des Anderen ist dem PUA selbst völlig egal.

Um sein Ziel zu erreichen wendet der „Pick-up-Artist“ gerne die "Push and Pull"-Methode an. Bei dieser Masche werden den Zielpersonen erst jede Menge Komplimente gemacht, anschließend werden sie beleidigt bzw. ignoriert. Das soll dazu dienen, dass sich die „Ziele“ rechtfertigen wollen. Der Sinn dahinter ist es, die hochjubelnde, selbstsichere und glückliche Frau in Unsicherheit zu stürzen. Die Frau soll das zuerst durch die Bestätigung gewonnene Selbstbewusstsein verlieren und dadurch die Schulter des „Pick-up-Artist“ dankend annehmen – möglichst ohne darüber nachzudenken, dass er all dies absichtlich inszeniert hat.

Was hat das Ganze aber nun mit der Hochschulpolitik zu tun und warum interessieren wir uns dafür?

In der Erklärung, die am 19.02.2015 von verschiedenen Studierendenvertretungen und -verbänden veröffentlicht wurde, geht es um einen Gerichtsprozess, in dem die Studierendenschaft der Universität Frankfurt aktuell Beklagte ist.

Die studentische Zeitung der Frankfurter Universität hatte zwei Artikel veröffentlicht, in denen es um Sexismus, sexualisierte Gewalt und „Pick-up-Artists“ ging. Ein „Pick-up-Artist“ legte daraufhin Beschwerde ein. Er fand, dass er und seine Tätigkeit durch diesen Artikel an dem Frankfurter Campus kritisiert worden sei. Der Fall ging vor das Landgericht, wo die Beschwerde aus presserechtlichen Gründen abgelehnt wurde. In der nächsten Instanz, dem Oberlandesgericht, wurde eine einstweilige Verfügung durch den Kläger erreicht. Die Begründung dafür war, dass die Studienvertretung die Persönlichkeitsrechte verletzt habe und ihr Mandat überschritten hätte.

Dies würde bedeuten, dass keine Kritik und insbesondere keine Kritik seitens der Studienvertretungen gegenüber Sexismus geäußert und veröffentlicht werden dürften. Doch das wollen studentische Organisationen nicht auf sich sitzen lassen. Sie kämpfen dafür, dass sie weiterhin Kritik an Sexismus äußern können und sind sich darin einig, dass „Sexismus und männliche Gewalt gegen Frauen“ kritisiert werden muss. Auch der AstA der Universität Osnabrück zeigt Solidarität mit der Veröffentlichung einer Erklärung verschiedener Studierendenvertretungen und -verbände. Sie lassen sie „nicht allein in ihrem Kampf gegen sexistische und sexualisierte Gewalt an den Hochschulen und darüber hinaus stehen“.

Fazit

Sexismus und Gewalt, egal ob an Frauen oder Männern, sollte nicht unbeachtet bleiben. Im Gegenteil - es sollte angesprochen werden und etwas dagegen unternommen werden. Nur wenn regelmäßig über diese Themen berichtet wird, verschwinden die Themen nicht von der Bildfläche. Sexismus und Gewalt betreffen Jeden jederzeit überall, auch an Hochschulen und Universitäten.
Zu oft, wie auch im Fall der Frankfurter Universität, werden „Allgemeinpolitik“ und „Hochschulpolitik“ getrennt voneinander betrachtete. Aber gerade in Fällen wie diesem, sollte keine Trennung stattfinden. Denn wie wir sehen können kann aus einer „Allgemeinpolitik“ aus „allgemeinen Themen“ ganz schnell „Hochschulpolitik“ und damit „hochschulbezogene Themen“ werden.
Informiert euch, schreibt, diskutiert, seid wachsam.

 

Foto: Pixabay

 

Autor: Laura F.