• Studentenleben Osnabrück
  • Studentenleben Osnabrück

12.08.2016

Pokémon Go - ein Kommentar

Irgendwo zwischen Sucht und Unverständnis – da befinden sich aktuell so ziemlich alle in meinem Umfeld, wenn der Name Pokémon Go fällt. Die App mit den kleinen Monstern spaltet unsere Generation in zwei Gruppen: Die Befürworter/Süchtigen und die Ablehner/Verachtenden. Die Stadt ist voller gesenkter Köpfe von sogenannten „Smombies“, die auf der Jagd nach den kleinen Monstern sind.

 

Was ist Pokémon Go?

Alle, die die App bereits kennen, können diesen Absatz jetzt gekonnt überspringen.

Pokémon Go ist eine kostenlose App, die Virtual Reality beinhaltet. Gab es die kleinen Monster früher noch als Game für den GameBoy, haben sie es jetzt aufs Smartphone geschafft. Das Prinzip ist simpel wie genial. Die Pokémon verstecken sich in unserer direkten Umgebung und es gilt der altbekannte Satz „Gonna catch em all“ (Komm, schnapp sie dir!).

 

An sogenannten „Pokestops“ - meistens bekannte Sehenswürdigkeiten wie bspw. das Osnabrücker Schloss oder gewisse Stolpersteine, der Rosenplatz oder manche Kirchen, kann man Pokebälle bekommen. Indem man durch die Gegend läuft (man muss sich direkt an den Pokestops befinden, um Gegenstände sammeln zu können) findet man immer wieder verschiedene Pokémon, die zufällig in der Gegend auftauchen. Klickt man sie an, wechselt die App in den Kameramodus und man muss die Pokebälle auf die kleinen Kameraden werfen, um sie mit etwas Glück einzufangen. (Hier kommt dann (für mich zumindest) der Spaßfaktor dazu. Ein kleines Taubsi auf dem eigenen Bett oder ein Rattfratz auf der Schulter des Gegenübers ist schon äußerst amüsant.) Ist das geschafft, erscheinen sie in der eigenen Sammlung. Aktuell gibt es 140 verschiedene Pokémon zu finden, wobei manche häufiger (Taubsi, Rattfratz - und in Osnabrück besonders Traumato) und andere seltener (Schiggy, Bisasam,...) auftauchen. Außerdem gibt es Eier, aus denen Pokémon schlüpfen können. Um diese auszubrüten, müssen allerdings zu Fuß bestimmte Strecken (2, 5 oder 10km) zurückgelegt werden.

Auch gekämpft wird bei Pokémon Go, wie es in den alten Spielen ebenfalls der Fall war. Nur wird diesmal via Touch der Befehl gegeben und der Kampf findet statt, um eine Arena für sein Team zu erobern. Die Teams haben außer eines Zugehörigkeitsgefühls bisher keine tiefgreifende Bedeutung, es gibt insgesamt drei: gelb, rot und blau. Gewählt wird das eigene Team, das dann nicht mehr gewechselt werden kann, ab dem fünften Spielerlevel. EP bekommt man durch Fangen von Pokémon, deren Weiterentwicklung, oder durch Kämpfe.

 

Must-have oder Freakshow für Nerds?

Ich selbst gehöre zu der Must-have-Fraktion, schätze mich selbst allerdings als nicht ganz so verrückt wie viele Andere ein. Ja, für Prokrastination oder zum Vertreiben eventueller Langeweile ist das Spiel super geeignet. Auch für lange Busfahrten – oder gerade für solche – ist es ein super Zeitvertreib. Aber sich zu verabreden, um schweigend nebeneinander durch die Stadt zu laufen und Pokémon zu fangen – da ist bei mir die Grenze erreicht. Wenn man Zeit miteinander verbringt – warum muss man dann auf sein Smartphone starren, statt sich zu unterhalten? Warum dreht sich das Leben plötzlich nur noch um ein Spiel mit virtuellen Monstern? Und warum müssen es unbedingt Pokémon sein, statt irgendwelcher Level bei CandyCrush oder anderer Apps, an denen man sich misst? - Klar, Pokémon kennt jeder und hat auch jeder schon mal gespielt, außerdem haben die meisten die App auch auf ihrem Handy. Aber deshalb gleich auszuflippen und durch Minenfelder, private Gärten oder Autobahnen zu laufen?

Es hat allerdings auch positives – plötzlich verlassen Leute die Wohnung, die man vorher nur in geschlossenen Räumen angetroffen hat. Hunde kommen so oft und lange vor die Tür wie vermutlich nie zuvor und Kinder wollen freiwillig spazieren gehen. Was zu Beginn als Hype abgestempelt wurde existiert mittlerweile seit ungefähr einem Monat und der Wahnsinn nimmt nicht ab.

An alle Spieler – Leute, achtet auf eure Umgebung und auf eure Mitmenschen! Der Batteriesparmodus ist dafür eine super Funktion (kann in den Einstellungen eingeschaltet werden) – kippt ihr das Handy auf den Kopf, wird der Bildschirm schwarz. Sollten Pokémon auftauchen, vibriert es und ihr verpasst somit kein wichtiges Ereignis, obwohl ihr euch mit eurer Umwelt auseinandersetzt! Durch Pokémontrainer im gleichen Team lassen sich auch neue Freundschaften finden – wenn man einander ansieht, statt nur das Display anzustarren.

An alle Nicht-Spieler und Hater - Alles geht vorrüber, Pokémon Go sicherlich irgendwann auch. Also ist eure Ausdauer gefragt. Aber – wenn ihr euch durchgehend darüber aufregt, ist das a) nicht gut für euer Herz-Kreislauf-System, b) nervt das die Spieler, die sich dadurch möglicherweise schuldig fühlen, und dadurch c) seid ihr früher oder später ziemlich allein, weil euer Umfeld von eurem dauerhaften Gemecker genervt ist und sich von euch abwendet.

Also, ihr lieben Pokémon Go Spieler und Hater, ein friedliches Miteinander ist mit Kompromissen durchaus möglich – setzt euch bspw. bestimmte „Pokémonfreie Zeiten“ in denen ihr das Handy bewusst ausschaltet. Das spart Akku, Datenvolumen und macht euer Umfeld sehr glücklich! Und nur seine Wut auszudrücken hilft auch nicht, denn dann schalten die meisten Leute auf Durchzug und ihr erreicht gar nichts.

 

Und jetzt noch ein kleines Häppchen an alle, die während der Semsterferien trotzdem noch in Osnabrück sind! Vom 15.-18. August (also nächste Woche!) hat der Zoo Osnabrück extra für uns Pokémon-Trainer geöffnet! Jeden Abend von 19:30-21:30 Uhr werden im Zoo Lockmodule gestartet und für 5€ Eintritt darf man dann Pokémon fangen so viel man finden kann. Zwar bleiben die Tierhäuser zu und man darf nur die offiziellen Besucherwege nutzen, aber dennoch wird es reichlich zu fangen geben. Und der Erlös dient zur Erweiterung des Löwengeheges.

 

Foto: geralt / Flickr

Autor: Laura