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29.03.2014

Kleiner Comedy-Slam: Große Show

Neues Format in Osnabrück: Der erste Kleine Comedy-Slam im rappelvollen Polly Esther's war ein voller Erfolg mit Singen, Tanzen und Lachen auf wenig Raum.

 Mit Sitzkissen auf dem Boden werden auch die letzten freien Centimeter im Veranstaltungsraum des Polly's besetzt. Die Kellner kommen kaum noch durch und die Raumtemperatur gleicht der über den bunten Strahlern, die auf die kleine Bühne gerichtet sind. Vier Nachwuchs-Comedians kämpfen sich nacheinander den Weg dorthin, um in jeweils 15 Minuten zu beweisen, dass sie Osnabrück zum Lachen bringen können. Wie bei einem Poetry-Slam werden sie dabei vom Publikum bewertet. Das Ergebnis am Ende stimmt.

 

 Jan Preuß

... aus Köln nennt sich "jung, verzweifelt und auf der Suche". Eben so gestaltet sich sein Programm mit viel Penishumor und einem fremdverschämten "Ohh ..." aus dem Publikum, das Jan unterschwellig hervorzurufen vermag und damit spielt, etwa wenn er eine hübsche Frau anflirtet: "Hey, du hast schöne Beine – wann haben die offen?". Oder wenn er die Anleitung zum Finden des richtigen Kondoms befologt – inmitten des DM-Marktes.

Kevin Ray

... nimmt teils bekannte Pointen, teils Neues und vermengt beides zu einem rundum gelungenen Comedy-Paket. Zwei Witze zu Beginn, die einfach klassisch vorgetragen werden, stören keineswegs den Erzählfluss: Da fragt jemand seine Freundin: "Du, warum liest du eigentlich Kochbücher? Du kannst doch eh nicht kochen!" - sie erwiedert "Na und? Du schaust doch auch Pornos!". Und bei der Polizeikontrolle fragt der Wachtmeister den Raser: "Können Sie etwa nicht lesen? Hier ist 50!" - "Wie soll ich denn bei der Geschwindigkeit noch lesen?". Daraufhin der Polizist: "Haben Sie etwa eine Fahne?" - "Joa, im Kofferraum hab' ich da bestimmt noch was". Der gereizte Polizist soll beruhigt werden: "Mein Vater ist ja auch bei der Polizei!" - "Ach so ist das, wieso sagen Sie das nicht gleich, in welcher Abteilung ist er denn?" - "In U-Haft!".

Die Irre (Ingrid) Inge

... reflektiert über ihren Namen, ihre Mutter habe einmal gesagt: "Zu ner strengen Erziehung gehört ein scheiß Name!". Mit viel Selbstironie und Charme erobert die frühere Soldatin und Animateurin ihr Publikum. Wenn sie ihr Ausbildungsschiff, die Gorch Fock (manchmal auch liebevoll Gorch Fuck genannt), heute in der Becks-Werbung mit glücklichen Biertrinkern sieht, wird sie kirre: "Die hätten wir damals als erste gegrillt!". Ihre Würde verlor sie schließlich auf der Aida, wo sie tanzen musste, wenn der Dancefloor leer war – und der Chef dann noch befahl: "Mach's so, als wär's freiwillig!". Alleine will man der irren Inge aber vielleicht doch nicht im Schinkel begegnen. Sie liebt Kampfsport und seit neuestem Krav Maga, die Technik des israelischen Geheimdienstes, die zum Töten des Gegners gedacht ist – also genau das Richtige für die Irre Inge, denn "wo lernt man heute schon noch, akkurat zu würgen?"

Elias Kordoba

... ist zum Viertel Grieche, zum Viertel Türke und halb Deutscher, oder irgendwie so ähnlich. In jedem Fall vermag der Personal Trainer es, in jede mögliche Rolle zu schlüpfen und ist damit vielleicht ein besserer Schauspieler und Imitator als klassischer Comedian. Lästern Leute in der Bahn auf Türkisch über ihn, versteht er sie: "Ey, schau dir mal die Schwutte da drüben an, voll das scheiß Outfit". Dann kann er auch auf Türkisch antworten: "Hey, Jungs, ich verstehe Euch, ich bin Türke!" und die Reaktion ist bekannt: "Brudeeeer! Alles klar? Lass dir Bussi geben".

Nach einer Pause und zwei kürzeren Finalrunden gewinnt die Irre Inge mit knapper Mehrheit aber berechtigt vor Kevin auf dem zweiten Platz. Alle Teilnehmenden bekommen einen Zauberstab (der erste Platz ein goldenes Nudelholz) als Dankeschön. Der Zauberstab verweist außerdem auf den nächsten Kleinen Comedy-Slam, dieses Mal im Zauber von OS am Kulturhof (Dammstraße 2, Mai).

Autor: Philipp Adolphs