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02.09.2015

Ghostwriter - Das Geschäft mit der Faulheit

„Heute Feiern?“ „Ne, ich muss meine Hausarbeit noch schreiben.“

So oder so ähnlich geht es aktuell wohl vielen Studenten, sowohl von der Hochschule als auch von der Uni. Kaum mehr als ein Monat trennt uns von der Deadline, dem Tag an dem alle Hausarbeiten, Essays und Stellungnahmen abgegeben sein müssen. Und bis dahin kommen noch so viele Partys zum Unistart, Geburtstage von Freunden, Kurzurlaube oder Ausflüge ins Um- und Ausland sowie die Lust, sich den vernachlässigten Hobbys oder auch einfach dem süßen Nichtstun hinzugeben. Wäre da nicht dieses ekelhafte Gewissen, das zwischendurch anklopft und an die noch bevorstehenden oder angefangenen Arbeiten erinnert. 

Was wäre, wenn es jemanden gäbe, der einem all das abnehmen würde? Der nicht nur die Arbeiten verfasst, sondern dabei auch noch eine gute Qualität vorzuweisen hat und somit eine gute Note garantieren kann? So etwas gibt es, und es wird nicht selten auch genutzt.

Ghostwriter nennt sich diese recht unbekannte und geheim gehaltene Branche. Die Personen, die damit zu tun haben, bleiben gern anonym. Hier gibt es sämtliche Formen der geheimen Schreiberlinge, vom Professor im Ruhestand bis zum Studenten, der es als Nebenverdienst nutzt. 

Von unbedeutenden Essays mit einem Umfang von 3 Seiten über Biografien von Prominenten bis hin zu ganzen Habilitationen wird alles von ihnen geschrieben, im Namen eines Anderen. Aber ist das legal?

Nein, das ist es natürlich nicht. Zumindest nicht alles.
Die Ghostwriter selbst sind geschützt, sie erfüllen lediglich eine Dienstleistung gegen eine (nicht gerade geringe) Bezahlung. Diejenigen, die die Arbeit in Auftrag geben, befinden sich auch noch im legalen Bereich. Lediglich wenn sie die nicht von ihnen verfassten Arbeiten dann einreichen und als ihre eigenen ausgeben, wird es strafbar.

Prominente retten sich, indem sie ihre geheimen Helfer in den Danksagungen erwähnen und als geheime Autoren angeben. Doch im Umfeld der Universitäten ist das nicht so einfach. Die Prüfungsordnungen geben ganz klar vor, dass es eine selbst erbrachte Leistung sein muss, viele Professoren verlangen einen entsprechenden Absatz unter der fertigen Arbeit mit handschriftlicher Unterschrift.

Je nach Universität und Umfang der Arbeit kann es vom Verlust der Creditpoints bis zur Exmatikulation führen, wenn man bei diesen Angaben schummelt und dabei erwischt wird. Bei Doktorarbeiten oder Habilitationen kommt es zum Entzug des Titels.

Was bei Guttenberg für Aufsehen gesorgt hat, ist längst Alltag – allerdings im Geheimen. Im SS 2014 und WS 2014/15 bedienten sich angeblich nahezu 3 Millionen Studenten in Deutschland an der Arbeit der Ghostwriter. Die Dunkelziffer hingegen dürfte um einiges höher sein.

Ganz billig ist der Spaß jedoch nicht, durchschnittlich 1400€ (wir haben wirklich kein Komma vergessen!) pro 20 Seiten sind nicht gerade ein Schnäppchen und für viele Studenten schier nicht zu bezahlen. Dafür ist aber angeblich die absolute Verschwiegenheit der Agentur inklusive, sowie die wissenschaftlich korrekte Arbeitsweise garantiert. Meistens zumindest. Denn wie in jeder Branche, gibt es auch unter den Ghostwritern und deren Agenturen schwarze Schafe. Da all das jedoch im Dunkeln geschieht und niemand offen darüber spricht, geschweige denn Erfahrungsberichte austauscht, ist es schwer diese ausfindig zu machen. 

Wir würden euch raten: Spart die Kohle und gebt sie für sinnvollere Sachen aus! Schreibt ein paar Nächte durch oder fragt in ganz schlimmen Fällen die Professoren um Aufschub, denn auch das sind nur Menschen und die haben in den meisten Fällen Verständnis, wenn sich die Abgabe ausnahmsweise um ein paar Tage verschiebt. Und wenn ihr Angst vor schlechten Noten habt, für diese Fälle gibt es die Schreibwerkstatt. 

Autor: Laura