• Studentenleben Osnabrück
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10.09.2015

Erste Osnabrücker Pfahlsitzmeiserschaft

Wenn ihr wisst was Pfahlsitzen ist, seid ihr schlauer als ich es war. Pfahlsitzen klingt nicht gerade nach der gängigen Studentenaktivität. Sitzen ja, allerdings in der Regel auf einem Stuhl, im Hörsaal und nicht auf Pfählen im Freien.


Ich begebe mich für euch in ein mir völlig fremdes Gebiet und schaue, was sich dahinter verbirgt. Denn an mir ist diese Art des Sitzens vollkommen vorbei gegangen.

Am Donnerstagnachmittag, den 03.September 2015 begaben sich vier Teilnehmer hoch hinaus und setzten sich auf einen 2,5 Meter hohen Pfahl um dort bis zum 06.September 2015 auszuharren. Warum sie das machten?


In diesem Zeitraum fand am Kamp in Osnabrück die zweite Osnabrücker Pfahlsitzmeisterschaft statt. Jeder ab 18 Jahren konnte sich bewerben, um an der Pfahlmeisterschaft teilzunehmen. Das Ziel war es, 75 Stunden dort oben mit Blick auf die Osnabrücker-Kamppromenade vor dem Eiscafé Toscani zu verweilen. Alle zwei Stunden durften die Teilnehmer für 15 Minuten den Pfahl verlassen. Sie saßen nicht direkt auf dem blanken Pfahl, sondern einer Platte, diese war zusätzlich mit einem kleinen Holzvorsprung, auf dem die Kandidaten ihre Füße abstellen konnten, versehen. Eine Rückenlehne gab es nicht. Wer klein genug war konnte sich, wie Eva Steinbach, zum Schlafen zusammenrollen.
Ein Schiedsrichter überwachte das ganze Spektakel, Rettungssanitäter schauten zwischendurch vorbei und auch Snacks und Verpflegung fanden ihren Weg zu den Pfahlsitzern.

Der Gewinn betrug insgesamt 4000 €, pro Teilnehmer waren 1000 € gerechnet. Sollte jemand vorzeitig seinen Pfahl verlassen, so wird sein Anteil unter den anderen Teilnehmern aufgeteilt. Natürlich geht der Gewinn nur an diejenigen, die Stunde um Stunde erfolgreich auf dem Pfahl verbrachten.
Über den Gewinn von jeweils 1.330 € durften sich Eva Steinbach, Ines Schmidt und Reinhard Beermann freuen. Das Geld investieren sie in ihr Studium, ein Auto oder wollen es spenden.

Doch was ist Pfahlsitzen und woher kommt diese Mysteriöse Aktivität?

Das Pfahlsitzen geht weit in die Geschichte zurück und stammt von den Säulenheiligen ab. Diese führten ein Leben auf Säulen. Einer dieser Pfahlsitzer war „Symeon Stylites der Ältere“, dieser verbrachte sage und schreibe 37 Jahre auf einer Säule. Zudem gab es in den 1920er Jahren das Pfahlsitzen auf Fahnenstangen. Der erste Rekord betrug 13 Stunden und 13 Minuten, von Alvin Kelly aufgestellt, dann mit bis zu 21 Tagen, getoppt durch einen Nacheiferer. 1929 holte Kelly sich den Titel zurück, 49 Tage hielt er durch.

Inzwischen ist unter Pfahlsitzen das längere Sitzen auf einem in den Boden verankerten gesteckten Pfahl, beziehungsweise einer auf dem Pfahl angebrachten Plattform zu verstehen.

Bevor das Pfahlsitzen Osnabrück eroberte fand es jährlich von 1997 bis 2003 im Heide-Park in Soltau statt. Damit ein klarer Sieger gekürt werden konnte, die jährlichen Veranstaltungen einheitlich blieben und die Anerkennung durch Guinness gesichert war, wurden Regeln festgesetzt. Die Gestalt des Pfahls, die Ausrüstung und der Ablauf des Wettkampfes waren festgelegt. Die Regeln besagten, dass jeder Teilnehmer einen Schirm, eine Leselampe, einen Aschenbecher, sowie eine Telefonkarte von 50 € bekam. Dafür musste er auf 0,25 m² eines 2,5 Meter hohen Pfahls Platz nehmen. Verändert werden durfte der Pfahl nicht, aber ein Kissen sowie eine Decke waren erlaubt. Unterhaltungsmedien und Ähnliches sind und waren teilweise zugelassen.

Auch in Osnabrück gab es Regeln, angelehnt an die Regeln im Heide-Park. Es durften nur Decken, Regenkleidung und Bücher mitgenommen werden, keine elektronischen Geräte und keine Sicherung waren auf dem Pfahl erlaubt. Im Jahr 2002 wurde ein Weltrekord von 196 Tagen Pfahlsitzen aufgestellt. So lange mussten die Osnabrücker nicht ausharren, vier Tage waren genug. Und wer sich denkt, das mache ich mit Links, den erinnere ich nur zu gerne an eine Vorlesungseinheit, bei welcher der Hintern bereits nach 90 Minuten schmerzt. So leicht ist still sitzen gar nicht. 

Wann und ob es eine Wiederholung gibt ist noch nicht bekannt. Ihr dürft hoffen und vielleicht dürft auch ihr demnächst euer Budget mit „rumhocken“ aufbessern. 

Bis dahin könnt ihr in den kommenden Vorlesungen schon mal üben. Viel Spaß dabei!

 

Foto: http://www.kamp-promenade.de/galerie.55.php

 

Autor: Laura F.