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14.03.2014

Das Studentenleben der Anderen Vol. 9: Wirtschaftsrecht

Ein Artikel von Lisa-Marie Engel

 

Wenn ich irgendwo erzähle, dass ich Wirtschaftsrecht studiere, ernte ich zumeist fragende oder mitleidige Blicke nach dem Motto: „Ist das nicht total trocken?“ oder ganz klassisch: „Was ist das?“ Vielen ist dieses Studienprogramm leider (noch) unbekannt. Es mag im ersten Moment langweilig und trocken klingen (gut, manchmal ist es das vielleicht auch), aber ich kann nur sagen: Das ist nicht der Fall – im Gegenteil!

Dieser tolle Studiengang bildet Wirtschaftsrechtler aus. Menschen, die sowohl Kenntnisse auf rechtlichen Gebieten haben, als auch mit betriebswirtschaftlichem Wissen glänzen können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf jeden Fall im juristischen Bereich. Gut, Anwälte können wir nicht werden. Aber würden wir das werden wollen, wären wir vermutlich an der Uni gelandet und würden Jura studieren. Für Leute wie mich, die also keine Lust auf Jura und ein Leben im Juridicum haben, aber trotzdem interessiert darin sind, ist dieser Studiengang eine gute Alternative.

Das heißt natürlich nicht, dass man die Klausuren im Spaziergang besteht. Lernen muss man relativ viel, wie immer meistens kurz vor knapp. In Fächern wie Privatrecht, VWL oder Rechnungswesen sollen wir auf das Berufsleben in Banken, Versicherungen oder irgendwelchen Rechtsabteilungen vorbereitet werden. Mit der Möglichkeit, im dritten Semester Vertiefungen zu wählen, wird unser Wissen immer mehr erweitert. Wir sollen quasi „Experten“ auf diesem Gebiet sein. Trotzdem, so bekommt man bei den Infoveranstaltungen gesagt, sagt unsere jetzige Wahl nichts über den späteren Berufsweg aus. Es sei denn, man vertieft Wirtschaftsprüfung oder Steuern. Dann ist der Berufsweg eigentlich ziemlich klar: Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater. Mir persönlich ist das alles zu trocken gewesen, deswegen habe ich das Recht des geistigen Eigentums, also Marken, Urheberrecht etc. und Marketing vertieft.

Da ich an der Hochschule studiere, habe ich nicht das klassische Problem von vollen Hörsälen. Unsere Kurse sind ziemlich klein, was ich aber eigentlich gut finde. Manche würden es mit dem Wort „Schulcharakter“ beschreiben, ich nenne es lieber praxisorientiert.  Und der große Vorteil: man bekommt auf jeden Fall einen Sitzplatz.  Selbst, wenn zu Beginn des Semesters ein Kurs mit 60 Leuten voll ist (typisch Hochschule),  bekommt man spätestens nach vier Wochen seinen heiß ersehnten Platz in der Vorlesung. Denn dann trennt sich die Spreu vom Weizen und in den nicht ganz so wichtigen Vorlesungen (total subjektiv zu beurteilen), sind nur noch eine Hand voll Leute (übertrieben gesagt) vorzufinden, nämlich diejenigen, die wirklich interessiert an der Thematik sind oder einfach nur ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht hingehen.

Doch alles in allem ist Wirtschaftsrecht ein vielversprechendes Studium, mit der Möglichkeit, später einen (hoffentlich) interessanten Beruf zu ergreifen.  Praxis- und Auslandssemester sollen uns helfen, ein Netz aus Kontakten aufzubauen, die die spätere Suche erleichtern sollen. Wir sind natürlich nur „halbe“ Juristen und konkurrieren deshalb mit den Volljuristen und natürlich auch den Betriebswirten.

Ein großer Vorteil, den unsere Wenigkeit aber mit sich bringt: wir sind günstiger für das Unternehmen. Wir verkörpern quasi Betriebswirt und Jurist in einem. Immer wichtig zu erwähnen bei einem Vorstellungsgespräch, wenn man wieder mit diesem fragenden Blick angeschaut wird: „Wirtschaftsrecht - Was ist das?"

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In der Serie das Studentenleben der Anderen stellen Studis ihre Fächer vor. Die Texte verraten nicht nur Erstis und Interessenten, was die Friedensstadt uns zu bieten hat, sondern auch älteren Semestern, was ihre Kommillitonen eigentlich den ganzen Tag lang so (nicht) tun.

Autor: Lisa-Marie (Upload: Philipp)