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21.02.2014

Das Studentenleben der Anderen Vol. 7: European Studies

                                                                     Ein Artikel von Mateja Kahmann

Ich möchte schon zu Beginn dieses Artikels davor warnen: Das Studium der Europäischen Studien ist mit Vorsicht zu genießen, denn die EU ist unpopulärer denn je: Litaneien über krumme und gerade Gurken, Griechenland-Hilfen, aufgeblasene Beamten-Gehälter und maßlose Bürokratie bishin zur Frage „Und was macht man dann damit?“. Ich antworte gerne, dass der Verwaltungsdschungel der EU auch mindestens genauso so viel überbezahlte Bürokraten braucht, wie sie undurchschaubare Strukturen hat und ich mir demnächst von den Spesen und Steuervergünstigungen ein schönes Leben in Brüssel mache.

Da hat man sie schon, die wichtigsten Motivationen für ein Studium der Europäischen Studien:

Bei einer internationalen Organisation, die inzwischen in fast alle Lebensbereiche von einer halben Milliarde Menschen eingreift und unserer Leben damit oft leichter und ja, manchmal auch schwerer macht, bedarf es auch in allen Lebensbereichen an Menschen, die verstehen, was und wie dieser Eingriff passiert. Und das am besten nicht nur in Brüssel vor Ort, sondern auch in der Presse, in Interessenvertretungen, in Parteien, in der deutschen Verwaltung und in der Wirtschaft. Nein, wir müssen nicht den Rest unseres Lebens als tristes Beamtentum in Brüssel vor uns hin vegetieren.

Das Studium leistet eine kritische, aber faire Auseinandersetzung mit dem, was die EU ist, was sie darf und wie sie funktioniert. Spezifisches Wissen über ein politisches System, das kaum einer gut kennt, über das aber ständig diskutiert wird. Anlässe gibt es schließlich genug, die EU ist ständig in der Entwicklung. So kann es passieren, dass sich die grundlegenden Voraussetzungen für die Analyse eines politischen Bereiches mal mitten im Semester ändern und man, überspitzt gesagt, alle bisherigen Verträge in die Mülltonne werfen kann.

Netterweise haben sich die Studiengestalter bei einem solch komplizierten Analyseobjekt die größte Mühe gegeben, den Studienaufbau flexibel und interdisziplinär zu gestalten. Fachidioten sucht man damit bei uns vergeblich. Im Hauptfach Sozialwissenschaften werden der Europäische Integrationsprozess, das politische System der EU, ihre Außen- und Sicherheitspolitik und wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte thematisiert. Dazu könnt ihr ein Nebenfach aus Anglistik, Geographie, Germanistik, Geschichte, Erziehungswissenschaft, Rechtswissenschaften, Romanistik, Soziologie oder Volkswirtschaftslehre wählen. Zuguter letzt lässt die Prüfungsordnung sogar noch Raum für einen freien Wahlbereich. Das alles entschädigt einen doch sehr dafür, dass das eigene Studienobjekt sich derzeit nicht so großer Beliebheit erfreut.

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In der Serie das Studentenleben der Anderen stellen Studis ihre Fächer vor. Die Texte verraten nicht nur Erstis und Interessenten, was die Friedensstadt uns zu bieten hat, sondern auch älteren Semestern, was ihre Kommillitonen eigentlich den ganzen Tag lang so (nicht) tun.

Autor: Mateja