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29.04.2014

Abendvorlesung: Eine Reise um die Gürtellinie

 

 Knapp 300 Studis konnten die Abendvorlesung im Rahmen des Terassenfests in ihren Stundenplan einbauen, um sich über 2 Stunden lang bespaßen zu lassen. Von Chris Tall und Ingmar Stadelmann.

Den lauten Auftakt gestaltete Kevin Ray, der zum ersten Mal Comedy moderierte. Wer beim Kleinen Comedy Slam im Polly Esther's dabei war, kennt ihn (wir berichteten): Und die große Bühne steht ihm noch besser als die kleine.

 

Chris Tall

Dunkelheit und Stille erzeugt Spannung, bis die Stimme von Chris Tall von irgendwo erscheint. Albern und mit viel Selbstironie durchbricht er die Dunkelheit und den Ernst. Er inszeniert und feiert sich selbst, ohne dabei unsympathisch zu werden, mimt sein eigenes Publikum: "Chris, du bist ein Kind von mir!" Wenn vereinzelte Studis applaudieren, kontert er: "Danke ihr Drei!" oder "Danke, Mama!". Ohnehin steht ihm das Spiel mit dem Publikum gut zu Gesicht. Zur Überraschung (oder zum Schock) einiger Publikanten gehen viele Witze aber auf Kosten der Zuschauer, die erfolgreich zur Mitarbeit animiert werden. Das erfordert Mut. Und ein tolles Publikum, denn die Gags wirken oft gut abgesprochen oder einstudiert, sind es aber nicht.

Von Witzen über die Schulzeit und dem spontanen Smalltalk mit den Studis kommt der ausdauernde Komödiant auch immer wieder zu großen Pointen, die lange vorbereitet werden. Das ganze wird durch Running Gags untermalt, sodass der Spannungsbogen immer auf dem gleichen Level bleibt: Ganz oben. Der gute Schauspieler schließt mit einer Tanzeinlage, selbstredend nicht, ohne dafür drei "freiwillige" Helfer und Helferinnen auf die Bühne zu holen. Chris Tall macht sich selbst und auch andere lächerlich, ohne irgendjemanden zu blamieren. Witzig!

 

Ingmar Stadelmann

... aus Berlin pflegt einen sehr ähnlichen Stil. Er weiß, die Kontakte aus dem Publikum weiter zu nutzen, greift die Running Gags auf und bäscht ebenfalls auf Münster. Seine Erzählungen drehen sich viel um Männer & Frauen – feiner als bei Mario Barth – und auch Geschichten aus der Hauptstadt bringen viele zum Lachen: "Wenn du in Berlin in der U-Bahn sitzt, denkst du ... 'Berlin hat gar keine Psychiatrie!'" ... "und wenn der Knast voll ist, bekommst du in Berlin einen Bus".

Sein Programm "Was ist los mit den Menschen?" enthält viel Kritik, natürlich auch an der Werbung: "Warum nimmt man überhaupt Baunbären für die Charming-Werbung? Man nimmt ja auch keine Rothaarige für die o.b.-Werbung!" Und wenn die Wurst alle ist, heißt es bei der Rügenwalder: "Schaatz, ich reite mal eben irgendwo in den Wald und hol neue Neue!" Viele Witze gehen allerdings sehr weit unter die Gürtellinie und verlassen damit oft eine Ebene, auf der einige noch lachen können. Auch politisch geht es nicht immer korrekt zu. Das kann witzig sein, muss es aber durchaus nicht. Ingmar selbst würde vielleicht sagen: "In Berlin ist eben alles anders".

Autor: Philipp